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Samstag, 30. Dezember 2017

Webbreiten, Webgeräte

Wenn wir heute über alte Textilien nachdenken, hört man oft den Begriff, "früher war das xy..." ganz so als seien Normen schon immer Bestandteil des Lebens gewesen, zu allen Zeiten.
Tatsächlich sind Textilarbeiten unglaublich vielfältig. Abhängig sind die Werkstücke vom Webgerät und den zur Verfügung stehen Materialien und den Lebensumständen der Menschen. Die Arbeiten reichen vom Nutzkleidung, über Wertanlage (Handelsgut) zu Statussymbolen. Vom Mittel zum Zweck, zu Luxusgütern, wie eine einfache Bastmatte oder der über Jahre hinweg sorgfältig geknüpfte Teppiche. Sie konnten Ausdruck von Fleiß und Geschick sein, aber auch Reichtum in dem zur Schau stellen von seltenen Materialien und Farbstoffen. Handelsware wie Seide wurde nachweislich über Generationen genutzt. (Siehe die Stoffe in der Krypta von St. Severin Köln und deren sichtbare mehrfache Verwendung)
Unterscheidungen gab es sicherlich bei Textilem das in Heimarbeit statt fand, und professionellen Werkstätten die Handelsware herstellten.

Ein selbst entworfenes Bild, das an ein Bild der 12 Bruder Stiftung angelehnt ist. (Martin Huttner 1618) wichtig ist hier der Webstuhl, der sich sicherlich über lange Zeit nicht verändert hat. Der Webstuhl hat 2 Schäfte, mit ihm kann nur Tuchbindung gewoben werden.

Die Webbreite von Stoffen ist abhängig vom Webstuhl. Ein einfacher Trittwebstuhl für Handweber ohne Schnelllade hat eine natürliche Breite, die sich nach der Armlänge des Webers richtet. Das heißt der Weber muss seitlich das Schiffchen noch ins Fach legen können, ohne dafür die Webbank verlassen zu müssen. Das klingt so als damit die Breite der Tuche geklärt und auf etwa 1,20m Maximum festgelegt, aber der Mensch ist ja findig. Manchmal kann man einen Webstuhl auch zu zweit betreiben.

Mit Trittwebstuhl ist der Webstuhl gemeint, wie wir ihn oben im Bild sehen. Das Stück stellt eine Variante dar, der von 2 Mensch betrieben werden muss.
Ab wann der Trittwebstuhl gebräuchlich war, lässt sich nicht genau klären.

Vor der Erfindung des Trittwebstuhl wurde am Gewichtwebstuhl gearbeitet. Der Gewichtwebstuhl ist in der Breite sehr variabel. Seine Maße können an die Wohnverhältnisse angepasst sein, oft wird aber auch vermutet, das Häuser gebaut wurden, die als Weberei genutzt wurden.
Einen besonders breiter Gewichtwebstuhl wurde auf der Kaiserpfalz Tilleda nachgewiesen, mit einer Breite von über 3m müssen dort gigantische Textilien hergestellt worden sein.

Nachbau des Webstuhls aus und in Tilleda
Die Arbeit an solch einem Gerät kann recht gesellig sein, ein solch großer Webstuhl muss von mehren Menschen gleichzeitig betrieben werden. Man muss die Querhölzer (mittig im Bild) ausheben um ein Webfach zu öffnen, zusammen mit dem Holz hebt man auch die Gewichte (unten im Bild in Form Donuts) mit an. Das erfordert Kraft, insbesondere wenn über Stunden gewebt wird. Der Schussfaden wird dabei von Hand ins Fach gelegt. Ein Schiffchen ist dabei nicht nötig.
Wie lange Gewichtwebstühle im Gebrauch waren, lässt sich schwer sagen, vermutlich haben sie lange neben den Flachwebstühlen existiert, denn man benötigt sehr viel weniger Stellfläche um ihn unter zu bringen.
Siehe auch :
 Webhäuser in der sächsichen Siedlung Groten von K. Tidow

Gewichtwebstuhl und Trittwebstuhl, damit wären die hier im Euopäischem Raum wichtigen Webstuhlformen zur Tuchherstellung im Mittelalter vorgestellt. Ob das so vollständig ist, weiß man nicht.
Die Art des Webgeräts lässt sich bei Leinwandbindigen und Köperbindigen Textilien nicht fest stellen.
Schaut man über den Tellerrand Europas hinweg, findet man noch heute Gurtwebgeräte, Tuche die mit wenigen Hölzern am Boden in langen Bahnen gewebt werden, Flachwebstühle die so ganz anders konstruiert sind, als das war hier so kennen. Allen gemeinsam ist eine lange Traditionen, gewebt wird scheinbar überall.


Kostbare Stoffe insbesondere begehrte Seidenstoffe gelangten als Handelsware schon recht früh zu uns, meist in sehr aufwendigen Techniken hergestellt.

Was sagt das über die Webbreiten aus ?

Alles und Nichts.
Die Aussage, Kleiderstoffe wurden auf Schulterbreite gewebt, lässt sich so nicht halten. Es ist möglich im Hauswerk auf Maß zu weben, um möglichst Material sparend zu arbeiten, aber schon im gewerblichen Handwerk macht es keinen Sinn, da Menschen je nach Statur, recht unterschiedliche Breiten benötigen.
Im Bild oben, sehen wir das Kirchenfenster eines Textilzentrums im Burgund/Frankreich, das sich auf die Herstellung von gewalkten Mantelstoffen spezialisiert hatte. Das Fenster wurde der Kirche von der Zunft gestiftet, die eine eigene Kapelle im Seitenschiff der Kirche hatte. Für Köln wird aus dem Hochmittelalter beschrieben, das dort Manteltuche hergestellt wurden, die gewebt, gewalkt, aufgerauht und auf Rahmen gespannt wurden. Die Rahmen sollen nach heutigen Maßen 44,78m lang und 1,73m breit gewesen sein. (Quelle : Köln im Hochmittelalter )
Sicherlich waren die Webbreiten variabel, und es gab sicherlich Tuche die als Kleiderstoffe für Festtage, Arbeitskleidung und Manteltuche aber auch Heimtextilien wie etwa Tischwäsche, Handtücher, Wandteppiche, Raumteiler, Vorhänge, Bettdecken oder Unterstoffe für Stickarbeiten geeignet waren. Möglich all diese Stoffe mit eigenen Breiten daher kamen, je nach Webgerät und Werkstatt. Es gibt zu wenige so gut erhaltene Textilien, die wirklich etwas über die Webbreite aussagen.


Quellen :
Köln im Hochmittelalter
1074/75 - 1288: Geschichte der Stadt Köln Band 3
Greven Verlag ISBN-10: 3774304424

Fenster:
Notre Dame Semur-es-Auxois im Burgund/Frankreich


Freitag, 22. Dezember 2017

Jahresrückblick 2017

Thema des Jahres waren für mich Manteltücher. Gefühlt habe ich nichts Anderes getan.
Doch Garne für die Tücher gesponnen, auch Garne für kommende Kleinprojekte, die besondere Garne erfordern. Natürlich habe ich auch Stoffe gewebt, und auch nicht wenige Schultertücher von denen es keins in die Vorweihnachtszeit geschafft hat, zumindest nicht bei mir im Lager. So ist mein Shop relativ leer und ihn aufzufüllen ist arbeitstechnisch gerade unmöglich. Erst gilt es Auftragsarbeiten um zu setzen.

die schönsten Manteltücher aus 2017 


Shop ist ein gutes Stichwort, ich habe meinen Shop ja bei Dawanda, und dort hat sich einiges verändert. Das Erste was mir dazu einfällt, ist die Gebühren Erhöhung für die Shopbetreiber, die mich gezwungen hat, über viele sehr arbeitsintensive aber knapp kalkulierte Arbeiten nach zu denken und sie aus dem Shop raus zu nehmen. Vieles davon liegt bei mir nun im Lager, auf meinen 2 jährlichen Messen, geht der Kleinkram oft unter, wenn Ihr also Nadelmäppchen, Nadelkissen, Taschen und anderes Kleinzeug braucht, schreibt mich an.
Was mich ebenfalls bei Dawanda ärgert, neben dem vielen Trödel der als Vintage getarnt dort vertrieben wird, sind die vielen Rabattaktionen. Eine Rabattaktion setzt ein gutes Polster in der Kalkulation voraus.
Meine Preise sind knapp und ehrlich, ich bin immer bemüht, gute Rohstoffe zu besorgen, und dabei den Schaden für Tier und Umwelt möglichst klein zu halten. Dabei ist mein Macherlohn nicht üppig und oft wie immer bei Textilarbeiten niedrig. Rabatte sind also nicht vorgesehen.

Ein weiterer Frust ist Facebook. Anfangs lief es Super. Nun ist mein Eindruck, das ich Werbung kaufen soll, und weil ich das nicht tue, läuft es technisch nicht so rund ? Ich bekomme keine Benachrichtigung, bei eingehenden PNs und Kommentaren, was mich sehr ärgert, da mir Zuverlässigkeit beim Kunden und seinen Anfragen, wichtig ist.
Was mich daran am allermeisten ärgert ist, das es so unterschwellig passiert. Man baut sich die Seite auf, druckt Visitenkärtchen, Kunden und zukünftige Kunden speichern sich die Seite ab, man kann kann nicht so einfach wechseln. Um die Werbung bezahlen zu können, müsste ich lange weben und wieder auf den Verkaufspreis meiner Stücke aufschlagen. Hätte ich anfangs gewusst, wie das läuft und was es kostet, hätte ich mich sicherlich nicht angemeldet. Ich mag das nicht tun, also lasst mir bitte ab und an ein Däumchen da, teilt mich, empfehlt mich weiter, so das meine kleine Weberei auch ohne FB Werbung am laufen bleibt.
Auch wenn es veraltet erscheint, mailt mir, das ist zuverlässig und ich antworte so schnell wie mir möglich. Die Adresse findet sich im Impressum ganz unten.


Auf meinem Blog ist es ruhiger geworden. Früher habe ich jede Woche gepostet, aber nun habe ich den Eindruck, alles schon mal gezeigt zu haben. Ein Mantel zu weben dauert. Es dauert erheblich länger als Tücher, auch wenn sie nur doppelt so groß sind. So könnte ich dann zu jedem Mantel 2-3 Wochen darüber schreiben, das wäre mir selber langweilig. Also gibt es deutlich weniger Posts, auch in Zukunft.
Am 3 Januar wird dieser Blog 5 Jahre alt. Zeit mal auf zu räumen, Belangloses zu löschen und mal zu schauen ob Verlinkungen veraltet sind. Darum werde ich mich in der nächsten Zeit kümmern.

Bliebe in der Aufzählung das Telefon.
Tatsächlich benutze ich nur Festnetz. Ich besitze ein Mobiltelefon für den Notfall, und stirbt vor Langeweile und Einsamkeit. Den Moment leben und das in Echtzeit ist mir wichtig.
Warum will ich nicht angerufen werden ?
Tagsüber klebe ich im Webstuhl, mitten im Muster ist es ärgerlich unterbrechen zu müssen. Mache ich Pause, webe ich grundsätzlich den Musterrapport zu Ende, um Fehler zu vermeiden. Oft geht das nicht innerhalb von 5x klingeln.
Oder aber ich liege unter dem Webstuhl um die Verschnürung zu justierenoder bin beim Einzug konzentriert das Muster einzurichten. Manche Fäden wollen an den richtigen Platz geschimpft werden - kein guter Zeitpunkt zum telefonieren.
Der Abend gehört der Familie, irgendwann muss auch mal Feierabend sein, ich bitte um Verständnis.
Also schreibt Emails, die könnt Ihr schreiben wenn IHR Zeit habt, und ich antworte so schnell es geht - perfekt.

Viel gelernt habe ich in diesem Jahr, auch und besonders über den mühsamen Weg vom frisch geschorenen Schafvlies zum Faden.Viel Arbeit, wenig zum zeigen, gibt es doch so viele Seiten und Blogs die sich um Spinnen und Rohwolle verdient machen, und da so viel weiter sind als ich.
Mein persönliches Highlight war es das Problem Schlauchkante zu knacken. Dieses irgendwie überflüssige Detail hat mich an den Rand des Wahnsinns getrieben.

Wer mich privat kennt, weiß das der Garten mein drittes Kind ist, jetzt im Winter wo er ausruht, habe ich mehr Zeit, als im Sommer wo es neben der normalen Arbeit, immer etwas draußen zu tun gibt. Diese Zeit fülle ich mit dem lesen von Fachliteratur.
So wie das Bücherregal anwächst, wächst auch meine heimliche To-do Liste - aber wer kennt das nicht ?


Dienstag, 5. Dezember 2017

Farbkombinationen in der Weberei

Das Zusammenspiel von Farben kann in der Weberei sehr überraschend sein.
Anders als beim stricken oder häkeln wo man Farben sauber als Einzelfaden verarbeitet, werden bei der Weberei die Farben durch das zwangsläufige kreuzen der Fäden, gemischt.
Bei ruhigen Mustern und dicken Garnen mischen sich die Farben für unser Auge nicht so stark. Je feiner die Fäden werden, um so mehr verwischen die Farben, ähnlich wie das Farben mischen im Aquarell Kasten. Was nebeneinander oft schrill oder harmonisch wirkt, kann plötzlich gefällig oder fade wirken. Man ist vor Überraschungen oft nicht sicher und manche Planung in der Vergangenheit habe ich nach dem anweben verworfen und neu kombiniert.

Beispiel:
Enzianblau, Flieder und Feuerwehrrot auf dem ersten Blick recht schrill
Der Plan war die 2 Grundfarben Rot und Blau, mit ihrer Mischfarbe zu kombinieren.
Da im Vorrat ein passendes Flieder war, habe ich den Zierstreifen mit einem weißen Rand eingefasst.
Der Diamantköper ist ein optisch sehr unruhiges Muster. Das Auge kann das Muster nur schwer erfassen, und ist zum Farben mischen gut geeignet.


Der Fliederton wird durch die blaue Kette nochmals eingetrübt und verliert an Leuchtkraft. Der blitzweiße Streifen, fällt kaum ins Auge.
Die Kombination gefällt mir gut und hat sich genauso verhalten wie geplant.
Meine Überlegungen basieren auf moderner Farbkunde. Vor über Tausend Jahren hätte man wohl eher Teures mit Teurem verwendet ? 

Donnerstag, 23. November 2017

Anleitung zum anweben von Ripskanten an Tuche

Da ich Manteltücher zum selbst fertig stellen anbiete, möchte hier eine Möglichkeit zeigen, wie die Borte ans Tuch kommt.
Die Tücher sind so vorbereitet, das kein Gewebe aufgeribbelt werden muss. Mit ein, zwei oder 4 Seiten, sprecht mich an, ich webe das Wunschtuch in Wunschgröße, max Breite etwa 1,90m.

Um die technische Kante, die beim arbeiten am Gewichtswebstuhl genutzt wurde, zu imitieren, kann man diese Kante nachträglich an Tuche anweben.
Meine Kante basiert auf dem Tuchmantel des Bernuthsfeld Mannes, sie hat 8 Einfache und einen gezwirnten Faden. Gewebt wurde er in Ripstechnik.

Ich benutze:
  • einen Webkamm
  • einen Webrahmen zum Bändchen weben
  • einen Brieföffner (möglich wäre auch Falzbein, oder Webschiffchen)
  • das Tuch mit etwa 5cm langen Kettfäden, die nun als Schussfaden in der Borte verwendet werden.
Es erscheint mir praktisch, die Kette nicht am Gürtel zu spannen, da ja nicht nur die Borte sondern auch das Gewicht des Tuchs, am Gürtel hängen würde. Wer keinen Webrahmen hat, könnte die Kette zwischen 2 unverrückbaren Punkten spannen.

Zur Vorbeitereitung habe ich eine ausreichend lange Kette vorbereitet. Bitte bedenken, das die Kette beim weben schrumpft. Die 9 Kettfäden abwechselnd in Schlitz und Loch einziehen, die Kette auf Spannung bringen und los gehts.
Im ersten Schuss wird der erste Faden eingelegt. Der Faden liegt nun gegenüber vom Tuch auf der anderen Seite der Kette.
Im zweiten Schuss, wird der Faden zurück Richtung Tuch eingelegt und zusätzlich der nächste Faden in entgegengesetzter Richtung.
So wird Faden für Faden in die Borte eingelegt. In jedem Schuss kommt also ein neuer Faden und ein Alter, in entgegengesetzter Richtung. Die Fäden werden mit den Finger eingelegt, um den Faden schön fest in die Borte zu drücken, sollte man ihn mit einer Art Webschwert in Miniatur anschlagen. Damit die Fäden der Borte schön synchron mit den Fäden des Gewebes verlaufen.
Immer darauf achten das man die Fäden in der richtigen Reihenfolge verarbeitet.


 Die Fäden die nun alle aus der Borte gucken, schneidet man mit einer scharfen Schere schön glatt auf dem Gewebe ab. Es gibt im Webereibedarf spezielle Webscheren (zB bei Künzl), eine kleine gebogene Nagelschere geht aber auch. Meine Schere sieht so aus :


So sieht es idealerweise aus, wenn die Fäden glatt abgeschnitten sind. Da die Borte schön fest ist, können die Fäden nicht mehr weg, das Gewebe und auch die Borte sind gesichert.


 Sind alle Fäden brav in der Borte, wird die Kette abgeschnitten, wichtig ist,das die Enden lang genug bleiben, damit man die Borte jeweils mit einem einfachen Knoten sichern kann.
Fertig.

Sonntag, 19. November 2017

Tuchmantel für Frauen ?

Sogenannte Rechteckmantel oder Tuchmantel finden sich von der Eisenzeit bis Frühmittelalter für Herren, im Fundgut und auf Abbildungen.
Bei den Frauen scheint das etwas schwieriger, oft kann man schlecht zwischen Schleiertuch und Mantel unterscheiden.
Im Stuttgarter Psalter, einer Karolingischen Handschrift aus Frankreich die zwichen 820 und 830 entstanden ist,  finden sich einige Frauen, meist mit Manteltüchern. Mal ist das Tuch über die Schultern gelegt, mal auch über den Kopf gezogen, vermutlich je nach Wetterlage, denn so ein Tuch ist flexibel. Scheinbar kann man im Notfall auch mal etwas damit polieren.

meine Zeichnung nach dem Stuttgarter Psalter, Quelle :

digital.wlb-stuttgart.de

Die Farben rot und blau tauchen oft auf, ob sie uni oder gemustert waren, lässt sich nicht sagen. Mal ist ein anders farbiger Rand zu erkennen, der eine Borte sein könnte, aber auch einfach andersfarbig gewebte Ränder ?


Frisch vom Webstuhl, kommen 3 Manteltücher nach freiem Entwurf

Ich habe sie bewusst kürzer gewebt, als meine Herrenmodelle, die im Schnitt bei etwa 2m Länge und 1,80m Breite liegen, so das sie, wenn man sie über die Schultern legt, nicht über den Boden schleifen.
Die Tücher sind noch nicht fertig, es fehlen die Borten an den Schnittkanten und die endgültigen Maße stehen noch nicht fest, da sie noch ungewaschen sind. Die Fransen sind also keine, es die die Kettfäden die ungesichert aus dem Gewebe kommen. Man muss sie sich bitte weg denken.

Das Garne sind überwiegend aus kratzarmer Merino 100% Wolle, industriell gefärbt.
Man beachte den edlen Glanz der Gewebe.






Wichtiger Nachtrag : möglich das die Mantelformen der Psalterbilder ganz anders waren. Denkbar sind runde, ovale, oder halbrunde Tücher ?

Sonntag, 5. November 2017

Hosen Teil 1

Hosen sind Schnitt technisch recht anspruchsvoll. Eine bequeme Hose zu entwerfen ist gar nicht so einfach. Möchte man eine Hose mit möglichst wenig Material Verbrauch herstellen wird es noch schwieriger.

Man sieht bei der modernen Hose entsteht recht viel Verschnitt. Jede Beinröhre besteht aus 2 Stücken = 4 Teile (ohne Taschen, Bund etc.)

Im historischen Fundgut von der Eisenzeit bis zum hohen Mittelalter finden sich einige wenige Hosen, die gut genug erhalten sind, um den Schnitt nach zu vollziehen, da wären :
  • die Sogenannte älteste Hose der Welt aus China, aus 3 Teilen
http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/aelteste-hose-der-welt-kommt-aus-china-30669/
 https://www.watson.ch/Wissen/China/263949464-Seit-wir-reiten--tragen-wir-keine-Lendent%C3%BCcher-mehr--sondern-Hosen 

  • Damendorf aus 5 Teilen
https://de.wikipedia.org/wiki/Mann_von_Damendorf
  • 2 Hosen aus Thorsberg
    Bund und Fußteile fehlen, Ziel ist der Vergleich der Formen, diese Hose besteht aus weit mehr Schnittteilen, als angedeutet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Thorsberg-Hose

Gestrichelte Linien deuten Nahtverläufe an, alle Zeichnungen sind als stilisiert zu verstehen. um die grundsätzliche Form der Stücke zu verdeutlichen.

Allen diesen historischen Hosen ist gemeinsam, das die Beinröhren aus einem Stück bestehen, die Naht innen am Bein verläuft und das für die Weite am Gesäß und Schritt, ein bis mehrere Stücke eingesetzt wurden.

Sehr fragmentarisch erhalten ist die Hose aus Skjoldehamn.
http://www.ceilingpress.com/Resources/Nye%20tanker%20om%20Skjoldehamnfunnet.pdf
(S104/105)

Scheinbar sind die Nähte hier aussen Bein ? Es ist zu wenig Material vorhanden, um wirklich bestimmen zu können, wie diese Hose geschnitten war. Die Anordnung der Fragmente auf dem Trägermaterial muss nicht zwangsläufig richtig sein. (Danke an Sabine und Anja fürs drauf stoßen und diskutieren)

Montag, 23. Oktober 2017

neues Arbeitshalbjahr Winter 2017/18

Es fühlt sich draußen noch nicht so an, aber es ist schon da, mein Winterhalbjahr.
Die "alten" Aufträge sind abgearbeitet, Neue gesammelt.
Für die neuen Aufträge steht immer eine Planung zu Beginn. Der Bedarf an Garn muss ermittelt werden, oft auch das ideale Garn erst einmal gesucht und geordert werden. Ständig trudeln üppige Kartons mit Garnen ein, auf Konen oder Strängen. Die Naturfarbenen wandern direkt ins Lager.
Ein Großteil muss jedoch gefärbt werden.
Etwa 10kg davon wurden in der vorigen Woche gebeizt, etwa die Hälfte davon auch schon gefärbt.
10kg klingen gigantisch, wenn man die Stränge erst einmal wickeln, abbinden, einweichen, beizen, färben, spülen, trocknen und wieder aufwickeln muss, ist es das auch. Aber 10kg sind auch wiederum nicht viel, wenn man weiß, das ein Mantel etwa 1,5kg wiegt.

Vorige Woche war ich Schwarznüsse sammeln. Die Frucht des Schwarznussbaums ist etwa Mandarinen groß, aber fast rund, die grüne Schale ist viel dicker, als die der Walnuss und auch viel ergiebiger in der Farbausbeute. Hoch konzentriert färbt sie Mokkabraun, ein wunderschöner Farbton den ich für eine moderne Kleinserie nutzen wollte, aber die Ausbeute war in diesem Jahr eher bescheiden. Weniger hoch dosiert ergibt die Schale der Schwarznuss, das gleiche Braun, wie das der Walnuss.
Einen Kessel Reseda konnte ich noch ernten, und noch einmal ein schönes leuchtendes Gelb färben.
Mit Eisen 2 und dem mischen der ausgelaugten Flotten konnte ich noch ein schönes Grün färben.


Auf dem Plan stehen weiterhin Tuchmäntel in Falttechnik, zur Zeit Diamant und Fischgrat Köper.
Mit einer Webbreite von 2m, die auf etwa 1,70m und 1,85m nach dem entspannen und waschen einspringt.
Schultertücher sind Neue geplant.
Ein spannender Stoff für ein Cosplay Projekt
Stoffe in Leinwand, Diamantköper und Fischgrat, der gestreifte Stoff der Skjoldehamn Tunika in 2/1er Köper
Manteltücher in 2/2er Köper
Hmm - wenn das durch ist, blühen vermutlich schon wieder die Tulpen.

Zur Zeit entstehen am Webstuhl 2 Tücher gleichzeitig, um den aktuellen Einzug zu erhalten.
Das untere Tuch wird also blind gewoben. Das ist ein wenig lästig zu arbeiten, aber der aktuelle Einzug hat 2 Wochen Arbeitszeit gekostet, bis alle Feinjustierungen beendet waren.
8 Schäfte im Kontermarschsystem, bedeutet jeder einzelne Schaft wird an jedem der 8 Tritte angebunden, macht 64 Schnüre zu den Tritten, 8 zu den oberen und 8 zu den unteren Querschemeln. Keiner davon mag eine So-Lala Position, sondern will gut sitzen.
Das Gewebe hat 1200 Fäden, davon wird die untere Hälfte blind gewebt, das heißt man muss unter den Webstuhl um Fehler in der unteren Gewebehälfte zu finden.

Querschemel und Tritte

2 in 1
Ein Schultertuch für ein Hochzeits Outfit zu weben, ist mir eine besondere Freude.
Die Kette ist weiches Merino, der zartrosa Schuss, ein genauso zartes Alpaka Garn. Das Gewebe wächst langsam, vielleicht auch weil ich versuche Glück mit ein zu weben. 😉

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Nacharbeiten der Decke des Bernuthsfeld Manns

Das Projekt beginnt mit dem Anlegen einer Gewebeplanung
Anzahl der Kettfäden, die Länge der Kette, der Einsprung des Gewebes beim Abnehmen vom
Webstuhl und den Einsprung bei der ersten Wäsche werden berechnet, und so der Bedarf an
Materialien ermittelt. Der Gewebeplanung liegen die durch den Auftraggeber übermittelten
Detailfotos zu Grunde. Auf dieser Basis erfolgte in Absprache: Materialauswahl, optische basierte
Ermittlung des Spinnwinkels und der Garnstärke. Zusätzlich wurden die durch K. Schlabow
durchgeführten Materialanalysen mit einbezogen und mit der Publikation von H. Hahne verglichen:
Gewebe auf Maß gewebt, endgültige Maße ca. 200 x 170 cm, abgesetzter vierschäftiger Spitzköper (Bindungsdefinition nach K. Schlabow) Kette ca. 7 Fäden pro Zentimeter, z-gesponnen, ca. 1 mm Garndurchmesser, fest gedreht; Schuss ca. 5 Fäden pro Zentimeter, s-gesponnen, unregelmäßige Dicke (ca. 0,8-2,8 mm), lockerer gesponnen als Kette, Anfangskante oben, schlauchförmige Webkanten an den Seiten, Fransenabschluß (gedreht) unten.

Als Material wurde für die Kette ein industriell gesponnenes Garn gewählt. Es hat eher grobe
Einzelfasern und ist gemäß der Norm Z gedreht.
Das Garn für den Schuss soll S gedreht sein, also entgegen der Norm, und handgesponnen.
Als Grundstock wurden 3 frisch geschorene Schaf Vliese von der Nutztierarche Stocksee bezogen. Auf der Arche leben div. Schafrassen, ausgesucht wurden wegen der langen Haare zwei Devon Mix und ein Coburger Fuchs/Scottish Blackface Mix.

Die Vliese wurden zuerst mit der Schnittseite nach unten, auf Tüchern ausgebreitet um groben
Schmutz und unbrauchbare Büschel aus zu sortieren. Dann wurden sie gewendet, und die kurzen
Stellen an denen der Scherer bei der Schur neu ansetzen musste, entfernt.

Nun wurde die Vliese auf ein Metallgitter ausgebreitet um von Hand den Schmutz aus zu schlagen.
Anschließend wurden sie in warmen Seifenwasser gewaschen, klar nachgespült und in der Sonne
getrocknet.

Um die einzelnen Flocken per Trommelkardierer zu kämmen, wurden sie von Hand durch zupfende
Bewegungen aufgelockert. Dabei wird jede Locke nochmals auf Schmutzpartikel wie Stroh, Samen
und andere Pflanzenteile abgesucht und befreit.
Um die unterschiedlichen Längen, Kräuselungen, und Haarstärken einheitlich zu verteilen, wurden
die Portionen die beim Kardieren jeweils von der Trommel genommen wurden, wiederum in kleine
Portionen geteilt und ein zweites Mal per Trommel kardiert.
Vlies 1 und 2 wurden ausgewählt und miteinander beim kardieren vermischt, Vlies 3 aussortiert
weil es deutlich kurzfasriger und struppiger war, als die anderen Beiden.

Die Kunst einer Nacharbeitung liegt nicht nur darin, die Sache gut zu machen, sondern das Original mit allen Stärken und Schwächen zu kopieren. Dies fängt beim Herstellen des Fadens an. Das Schussgarn im Original wirkt ein wenig nachlässig gesponnen und weist Unregelmäßigkeiten auf.
Um nicht nur einfache Fäden herzustellen, sondern einen Faden zu kopieren, benötigt es viel
Routine, und so wurde diese Arbeit in die geübten Hände von Frau Sylvia Crumbach gegeben.

Das Kettgarn wurde vorbereitet indem es auf einem Elektrospinnrad nach gedreht wurde, um eine
ähnlich starke Drehung wie das Kettgarn des Originals zu haben.
Gewebt wird auf einem modernen Handwebstuhl, die Bindung ist ein Fischgrat mit einem 16ner
Rapport. 


Da die Breite eines modernen Handwebstuhls ohne Schnellschuss, von der Armlänge des Webers
abhängig ist, wird das Gewebe in Falttechnik hergestellt. Das Gewebe liegt, in der Mitte gefaltet,
doppelt auf dem Webstuhl. Um eine Reihe durch zu weben benötigt es 2 Schüsse. Die untere Seite wird blind gewebt. Für dieses Muster in dieser Technik sind 8 Schäfte am Webstuhl nötig.
Aus dem zur Verfügung stehenden Material werden 2 Tücher gewebt.



Die Zöpfchen werden unter Spannung am Webstuhl gedreht,und zwar entgegen der Spinnrichtung
und nur einfach. Die Zöpfchen werden mit einem Hilfsfaden gesichert, der später nach der Wäsche
wieder entfernt wird.


Die Borte wird mit Hilfe eines Bandwebrahmens und eines einfachen Webkamms angewebt. Als
Kette wird das gleiche Garn wie am Webstuhl verarbeitet, der äußerste Faden wurde auf einer
Handspindel aus 2 Fäden verzwirnt.
Die Enden werden mit einfachen kleinen Knoten gesichert. Wie die Bortenenden des Originals
gesichert waren, lässt sich leider nicht mehr festellen. Nach den Bildern von H.Hahne erschien mir
diese Lösung am geeignesten und auch den Bildern der verlorenen Ecken nach, am Ähnlichsten.

Nach dem Weben und vor dem Waschen, wird das Gewebe geputzt.
Fadenansätze werden glatt auf dem Gewebe abgeschnitten, gerissene Fäden werden im Gewebe
dem Muster folgend vernäht.

Gewaschen wird das Gewebe von Hand.
Über Nacht wird das Gewebe in kaltem Wasser eingeweicht, danach mit handwarmen Wasser mit
einer milden Wollpflege gewaschen. Besondere Aufmerksamkeit benötigen die Zöpfchen.
Bei der Anfertigung des Probegewebes stellte sich heraus, das die einfach gedrehten Zöpfchen sich auflösen, weil sie nicht gegenläufig gekordelt sind. Nach Absprache mit dem Auftraggeber wurden die Zöpfchen mechanisch, mittels Seife separat gefilzt.

Das Gewebe wird in der Waschmaschine geschleudert (Schonschleudern), im Trockner
angetrocknet (Wollprogramm) und auf der Wäscheleine durchgetrocknet.
Die trockenen Tücher werden nun zertrennt und erneut geputzt. Dank des Nachfilzens sind die
Zöpfchen stabil und können getrennt werden, die Hilfsschnur kann entfernt werden.

die fertige Decke

angewebte Borte mit Ecklösung

Schlauchkante

Zöpfchen auf Wunsch des Auftraggebers ungeknotet und mit Überlänge
 Das Original Gewebe wird im Ostfriesischen Landesmuseum Emden ausgestellt.
http://www.landesmuseum-emden.de/17-0-22

Bezugsquelle für die Rohwolle:
Astrid und Andreas Holdstein
Waldweg 38
24326 Stocksee
http://holsteiner-schwarznasen.npage.de/index.html


Herzlichen Dank an Sylvia Crumbach die mir das Spinnen des Schuss Garns abgenommen hat, ohne sie säße ich immer noch am Spinnrad. Weiteren Dank an meinen Sohn Johannes, der mir die Patrone für das Faltgewebe am 8 Schäftigen Kontermarsch Webstuhl geschrieben hat.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Die Römische Grabkammer in Köln Weiden

Die Römische-Grabkammer in Köln-Weiden ist selten zugänglich. Aber am Tag des offenen Denkmals gab es ausnahmsweise Führungen. Da die Kammer recht klein ist, ist die zulässige Menschenmenge die gleichzeitig die Kammer betreten darf, auf 15 Personen begrenzt. Das hat Feuerschutz technische Gründe, aber es würden auch nicht wirklich mehr Leute in die Kammer hinein passen, ohne etwas zu beschädigen.
Obwohl ich gebürtiger Kölnerin bin, hatte ich es noch nie in die Kammer geschafft.
Eine sehr schöne Führung durch Herr Prof. E. Deschler-Erb, informierte nicht nur über die eigentliche Grabkammer, die Fundsituation im neunzehnten Jahrhundert, sondern auch über den Schutzbau der nach der Grabung errichtet wurden und der mittlerweile selbst ein Baudenkmal ist.


Die Kammer selbst war beinahe gemütlich, wenn man sich vorstellt, wie es dort gewesen sein muss, als sie noch von den Angehörigen der Bestatteten genutzt wurde. Mit den Ahnen zu speisen, sich ihnen nahe zu fühlen, stelle ich mir tröstlich vor. In der Kammer selbst wurden Urnen beigesetzt, der Sarkophag muss früher oberirdisch aufgestellt gewesen sein, und ist im Laufe der Zeit durch die Decke der Kammer, ins Innere gestürzt. Die Kammer wurde im 2. und 3. Jahrhundert genutzt. Erst wurde Urnen bestattet, im späten 3. Jh. ging man dann zur Körperbestattung über (Christentum). Die spätesten Funde waren geschliffene Gläser aus Köln, die aus der ersten Hälfte des 4. Jh. stammen. Die Kammer wurde also von einer Familie mindestens 200 Jahre lang genutzt.

Es gibt einen Förderverein, der sich darum bemüht die Grabkammer öfters zugänglich zu machen. So das man das Grab regelmässig und öfter als einmal im Jahr besuchen kann.
www.roemergrab.de 

Herzlichen Dank an Julia Becker für die Ergänzungen.

Freitag, 8. September 2017

Messe in Minden 2017

Bald ist wieder die Reenactor Messe in Minden, und ich werde mit meinen Arbeiten dort sein. Ich hoffe wieder meinen gewohnten Eckplatz etwas abseits vom lautesten Trubel zu bekommen, so das man sich unterhalten kann.

Mein Lager ist gut gefüllt, wie immer werde ich ein schönes Sortiment Schultertücher mitbringen, Kissen, meine frisch aufgefüllten pflanzengefärbten Wollnähgarne, Damendorfhosen in Gr 68/74, die neuen Stoffpuppen, den üblichen Kleinkram und ganz neu im Angebot :

Rechteckmäntel, mit Borte ohne Borte oder zum selber Borten anweben vorbereitet ohne das man dröseln muss, ganz nach Wunsch bis zu einer Breite von 1,70m
 
ansonsten - große Kisssen:
 
kleine Kissen:
 
Kleine Beutel :
 
weiches Strumpfband ohne drückende Schnalle:
 
vielseitige Schaltücher :
 
das übliche Schultertuchsortiment :

 
 

Etwas Großes und noch ein paar Kleinigkeiten sind noch in Arbeit, ich hoffe die Sachen bis zur Messe fertig zu haben.

Nachtrag 19.09 2017 bei den Wikingertagen wurde ich überraschend geplündert, hier ist ein kleines  mit den Tüchern aus meinem Lagerbestand. Das Einpflegen bei Dawanda kostet, Zeit die ich zur Zeit nicht habe, wer vor der Messe etwas reservieren oder kaufen möchte, schreibt mir bitte eine Mail oder PN, oder einen Kommentar (der erst mal nicht sichtbar ist, und es auf Wunsch auch nie wird).
Video bei Facebook