Translate

Donnerstag, 18. Februar 2016

Webpelz aus Schleswig Teil 1

Im Wikingerzeitlichen Norddeutschland gibt es mehrere Funde von Webpelzen.
Ein Fragment ist im Landesmuseum Schloss Gottorf / Schleswig ausgestellt.
Es wurde in der mittelalterlichen Siedlungsschicht im Hafen an der Plessenstraße gefunden und war in Zweitverwendung als Teerlappen genutzt worden. Das Stück wurde in einem aufwendigen Verfahren von Teer und Schmutz befreit, und man kann gut erkennen, das es wohl einmal ein Kragenbesatz gewesen sein muss.

Frau Inga Hägg hat das Stück in Ihrem neuen Buch ausführlich vorgestellt.
Es ist eine ganz besondere Freude für mich, das sie einige der Schleswig Textilien vorstellt, denn ich habe schon lange nach detaillierten Informationen dazu gesucht.
In Haithabu gibt es einige ähnliche Stücke, die sich zum Teil in der Herstellungs Technik  unterscheiden. Frau Hägg nennt sie alle Zottengewebe.

Über das "Warum gewebter Pelz" habe ich lange nachgedacht. Hat es an Echtem Pelz gemangelt ? Wer kann schon Modeentwicklung nach voll ziehen ?
Vielleicht ist Webpelz weniger steif, als Echtpelz ? Pflegeleichter, weil es nach einem Regenguss weniger hart wird ? Vielleicht war es auch um den Stolz und Fleiß der Hausfrau (sollte es im Hauswerk entstanden sein) zu repräsentieren ?

Fragment B 18 Teil d

In der Publikation heißt es, es wurden Rinderhaare verarbeitet.
Als Stadtkind musste ich erst einmal herausfinden, welches Rinderhaar. Rinder sind mir als Pelztier bzw. Faserspender unbekannt. Wie sah die Kuh im 11ten Jahrhundert in Norddeutschland aus ? In der kalten Jahreszeit mit weichem vermutlich glänzenden wolligem Winterfell ?
Gibt es solche Rinder heute noch ?

Heute ist das ganze Fragment beinahe Schwarz.
Lange Zeit habe ich überlegt, welches Material als Zotten zu bekommen ist, Rinderhaare dürften schwierig bis unmöglich zu beschaffen sein...
Dann habe ich durch einen glücklichen Zufall das Flies eines Schafs ganz aus der Nähe von Haithabu und Schleswig bekommen können. Das Flies hat feine Naturlöckchen, ist Naturbelassen, von heller Farbe und hat einen feinen Glanz.
In der Nutztierarche Stocksee   werden Schafe unterschiedlicher Rassen gehalten, das Augenmerk liegt weniger auf weicher Merinowolle, sondern es gilt alte Rassen zu erhalten.
Ideal für mein Projekt.


Die Fliese wurde gleich nach der Schur des Tiers verpackt. Die Löckchen hängen ähnlich einem Fell noch aneinander, sie sind noch schmutzig* und fettig, es hängen noch Pflanzenreste darin. Würden sie vor dem verarbeiten gewaschen, fallen die Löckchen auseinander, oder filzen an.

*Schmutzig ist keineswegs negativ gemeint. Man muss wissen, innerhalb eines Jahres sammelt sich viel in einem so dichtem Fell, das ist ein Merkmal für ein Schaf, das so leben darf, wie man sich das vorstellt.

Die Umsetzung

Die Bindung ist ein 2/2er Köper, die Garne aus 100% Wolle, ungefärbt.
Wie beim Original sind alle Garne S gedreht. Das Schussgarn ist deutlich dicker als das Kettgarn.
Die Locken/Zotten lege ich einfach unter 2 Kettfäden durch, so das sie oben auf dem Gewebe liegen.

die ersten 2 Reihen
Als Verwendung wird, wie oben geschrieben ein Kragenbesatz angenommen. Da die Arbeit aufwendig ist, arbeite ich Projektbezogen Streifen, so kann ich später die Stücke versäubern ohne die Pelzstücke zerschneiden zu müssen und habe Material für Nähte. Für einen Streifen von 50cm Breite und 10 Reihen Zotten benötige ich am Abend des ersten langen Arbeitstages, als sich Routine eingefunden hat, mehr als eine Stunde.

web den Yeti

Blick unter den Webstuhl, die Zotten sind von der Arbeit flach gedrückt

Fortsetzung folgt hier : Webpelz Teil-2


Literatur:
Inga Hägg: Textilien und Tracht in Haithabu und Schleswig
Wachholtz Verlag GmbH 01/2016
ISBN-13: 9783529014185

1 Kommentar:

Gänzlich anonyme Kommentare werden nicht frei geschaltet, ich bitte um Verständinis.