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Sonntag, 25. Dezember 2016

Jahresrückblick 2016

Während die Umbaumaßnahmen am Webstuhl fertig sind, und das System eingearbeitet wird, mag ich auf das Jahr zurück blicken. Eigentlich habe ich das Gefühl nichts als Schultertücher gewebt zu haben. Gut das ständig Fotos mache, sonst hätte ich das noch geglaubt.
Hier eine Auswahl der schönsten Stücke.

Begonnen hat das Jahr mit einem Projekt, das ich schon ewig machen wollte, den Schal der Huldremose Frau :
da der Aufzug und das auslesen des unregelmäßigen Karomuster aufwendig war, habe ich das Tuch mehrmals auf einer Kette gewebt

Wie ich das immer mache, gab es im Anschluss weitere Stücke, damit sich das einrichten des Webstuhls lohnt.

Ein weiteres Projekt das ich machen machen wollte, ist ein Gewebe das in den Publikationen von Frau Inga Hägg als Zottengewebe bezeichnet wird. Es sind mehrere Macharten nachgewiesen, eine würde ich als Webpelz bezeichnen.


Einen Extendet Tabby oder erweiterte Leinwand hat mich auch gereizt. Diese Stoffart taucht an mehren Orten im Spätmittelalter auf, und muss große Mode gewesen sein.
Als Warm-up sind einige Minidecken entstanden:

Um dann als Tuchbahn über einige Meter, gut von von der Hand zu gehen:



Danach gab es zur Entspannung, schlichte Tücher in Edelfasern, nach freiem Entwurf und Farbgestaltung damit die Kreativität nicht verkümmert.




Ein Muster aus dem Frühmittelalter stand auf dem Plan.


Ein Muster das durch die Varaitionsmöglichkeiten, zum spielen eingeladen hat.


Manchmal fehlt es Darstellern an Kleinigkeiten die fehlen um ein stimmiges Bild ab zu geben, so wie hier eine Schärpe getragen unter dem Gürtel und Schwertgehänge, und die für den richtigen Sitz der Kleidung sorgt.



Einmal im Jahr mache ich auch Beinwickel, eine wirklich aufwendige, lästige Arbeit. Ich mache sie nur auf Anfrage und auch nur ganz wenige Paare.


Schultertücher, ich habe sie nicht gezählt und es sind auch nicht alle im Bild.


Das Jahr endet wie es begonnen hat, mit Schaltüchern, die man als Allwetterschleier oder als Fokale tragen kann, diesmal in Diamantköper/Fischgrat



Vielen Dank Euch Lesern, weil Ihr immer wieder hier rein schaut. Habt frohe Restfeiertage und einen guten Start ins neue Jahr. Bleibt oder werdet gesund, bewahrt Euch den Blick fürs Schöne und freut Euch an Kleinigkeiten. Alles Gute !


Dienstag, 6. Dezember 2016

neues am Webstuhl (Anleitung Spulenregal)

Hier war es in der letzten Zeit ruhiger als sonst, zum einen siehe Überschrift, zum anderen habe ich wirklich viele Schultertücher hintereinander weg gewebt, das wäre langweilig alle zu zeigen, obwohl ich jedes Einzelne davon mag. Aber nun kommt mir der Diamant Köper an den Ohren heraus, und ich freue mich auf Neuland.

An meinem Webstuhl gibt es einige Neuerungen, die Wichtigste : bald kann ich Köper Gewebe bis zu 2m Breite herstellen, statt bisher in max 1m.
Stellt Euch eine Tischdecke vor, die einmal längst doppelt liegt, genau so liegt das Gewebe am Webstuhl, die untere Seite wird also blind gearbeitet. Das werde ich üben müssen, es könnte also dauern bis ich hier etwas davon zeige.

Der Webstuhl ist nun so umgebaut, das die Kette direkt auf den Webstuhl geschert wird, statt zuerst auf einen Kettbaum. Aleitungen wie das geht, gibt viele im Netz. Am meisten hat mir die von Helga Jossen geholfen.
http://helgaswebstube.ch/tk/Direktzettel.pdf 
Danke liebe Helga !

Einiges Zubehör wurde bei Künzls bestellt, einiges selbst gebaut (bauen lassen,besten Dank an meine Männer
Wie das so ist, wenn man viel investiert hat, irgendwann ist der Etat aufgebraucht, und immer noch nicht alles da. Ich habe einige Tage gegrübelt, mir viele Spulenregale im Netz an geguckt, und dann war der Plan eigendich ganz einfach und schnell umgesetzt. Das Beste ist, das Material ist für um die 10€ zu haben und so simpel, das es schnell nach zu bauen ist, das Teil ist klappbar und gut zu verstauen.

Der Bock ist im Bild nicht voll ausgeklappt, voll ausgeklappt hat das Regal einen sicheren Stand


Einkaufszettel:
1 Klappbock aus Holz, gibt es für um die 6€ im Baumarkt
2 Billigleisten 3m/0,60€
einige Rundhölzer (hatte ich noch als Bäumleisten, die ich ja jetzt nicht mehr brauche)
Schrauben, am besten Spax, die mit den Zähnchen

Werkzeug:
Säge
Bohrmaschine oder Akkuschrauber
Schraubendreher oder Akkuschrauber

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Schaltücher

Einige Schaltücher sind entstanden, sie sind vielseitig einsetzbar, vom Allwetterschleier über Focale in der Darstellung, zum Winterschal für den Alltag.
Ich lasse einfach Bilder sprechen, die Stücke die noch zu haben sind, befinden sich im Shop, dort stehen auch Preise, Maße und Färbungen.









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Dienstag, 22. November 2016

Handtücher

Aus der Kategorie Luxus für Leute die schon alles haben, könnten diese handgewebten Reisehandtücher sein.
Sie sind etwas dicker als Geschirrhandtücher, so groß das man die wichtigsten Körperstellen blickdicht verpacken kann, das man sich drauf legen kann, dünn genug um sie klein zusammen zu rollen, sie sind relativ fix trocken, und komplett abtrocknen kann man sich damit auch. Ideal für Wanderungen, oder andere Aktivitäten mit kleinem Gepäck.
Das Material ist Baumwolle, zum Teil auch Leinen. Hier ein Stück aus einer Kleinserie. In den nächsten Tagen werde ich sie in meinen Shop bei Dawanda packen.
Die Idee ist von Wilde Webe  in Kiel und mit deren freundlicher Erlaubnis ich darf ich sie nutzen.




Passend zum großen Tuch gibt es noch 2 kleine Tücher mit Schnur als Aufhänger

Donnerstag, 3. November 2016

Einfacher Mantel

Als Grundlage für dieses kleine Projekt dient ein Fehlkauf. Ein 1m x 1,40m großes Stück Stoff, dicht gewebt, gewalkt und leicht aufgerauht."Was mache ich da jetzt mit?" meinte ein Freund.

Das ursprünglich weiße Tuch ist in Schwarznussschalen mittels Heißfärbung eingefärbt. Geplant haben wir einen kleinen Mantel.
Mäntel dieser Machart finden über einige Epochen in Buchmalereien und Figürlichen Darstellungen, oft in Zusammenhang mit körperlichen Einsatz. Sie sind Ärmellos, benötigen ein Minimum an Stoff, und bieten erstaunlich viel Bewegungsfreiheit. Ein idealer Allwetterschutz, der schnell über geworfen ist.

Der Schnitt ist sehr einfach, die Bahn Stoff wird doppelt geschlagen und hinten am Rücken zusammen genäht. Die Kopföffnung wird als Halbkreis ausgeschnitten, die Kapuze ist ebenfalls ein Stück, das in die Kopföffnung eingenäht wird.






















Zugegeben, ein klein wenig größer hätte der Mantel ausfallen dürfen.

Vielen Dank an Banky*,Rübi* und meinem Mann fürs Modell stehen und Bilder machen.
(*auf Wunsch mit Spitznamen genannt)

In herzlichem Andenken an Banky, an seine freundliche Art und seine grenzenlose Hilfsbereitschaft


Montag, 31. Oktober 2016

Schwarznuss, Juglans nigra

Die Schwarznussbaum ist ein imposanter Baum, er wird noch größer als der Walnussbaum, weshalb er oft nur in großen Parks zu finden ist. Seine Früchte sind so groß wie kleine Orangen und auch so geformt. Ihre grüne Schutzhülle ist sehr dick und hat hohe Farbkraft. Die eigentliche Nussschale lässt sich nur mit allergrößten Aufwand knacken und der Nusskern hat einen leicht ranzigen Nussgeschmack mit einem Abgang von Rum.

die Nuss, so wie sie vom Baum fällt

Um einen Färbesud zu erhalten, kann man die ganze Frucht in den Topf werfen. Es lässt sich kalt oder heiß färben, eine Vorbeize ist nicht erforderlich. Ist die Flotte schön satt, erhält man im ersten (heißen) Durchgang ein sattes Mokkabraun. Die zweite und alle weiteren Flotten sehen einer Walnussfärbung zum verwechseln ähnlich. Kein Wunder, das Farbpigment ist bei beiden Arten identisch.
Das schönere Ergebnis erhält man beim färben mit Hitze. 
Ist die Flotte ausgelaugt kann man die bereits abgekochten Nüsse wieder in die Flotte werfen und ein zweites aber auch drittes Mal auskochen.
Es lohnt die Flotte zu filtern, um Fleckenbildung zu reduzieren.

die von der grünen Schale befreite Nuss
Grüne Schalen bereit zum färben

der Nusskern

Flotte und Färbegut

 Die Brauntöne lassen sich wunderbar kombinieren :
erster und zweiter Zug in Kombination mit Naturschwarz und Blau


Donnerstag, 20. Oktober 2016

Fleiß ist eine Tugend

Viele historische Textilien, rufen bei mir die Frage "Warum hat man das nur gemacht ?" hervor.
Wie zB. der Webpelz aus dem 11.Jahrhundert in Schleswig, die vielen Borten die aus spinnenfeinen Fäden in komplizierten Mustern gewoben sind, oder gar all die Stickereien. All diese Stücke verbindet ein hoher Arbeitsaufwand und großes Können, gepaart mit Erfahrung.
Wir, die oft Hausarbeit nach *Priorität und der Rest bleibt liegen* erledigen, stehen fassungslos davor - falls wir es erkennen. Denn unser Auge ist heute so viel schnell und preiswert Gemachtes gewohnt. Kleidung mit schnellen Overlocknähten in den Größen S- XL, egal wie die Bedürfnisse sind, füllen die Geschäfte. Es wird getrickst, geblendet, und wenn doch mal Hand angelegt wird, dann meist weit weg. So ist uns das Gefühl für die Mühe die in den alten Textilien steckt, verloren gegangen.

Wer Daheim sitzt und arbeitet, hat keine Zeit für Blödsinn.

Offensichtliche Fleißarbeit, drückt genau das aus, "seht her ich bin fleißig und tugendhaft !"
Viele historischen Textilien egal welcher Machart (Luxus oder ärmliches Alltagstextil) zeugen von Mühe und Sorgfalt. Die Rohstoffe waren begrenzt und hatten damit ihren Wert. Stoffe sind durchweg sorgfältig verarbeitet, die Garne gut gesponnen. Das Sackleinen des Mittelalters ist eine Mär. Ebenso grobe dicke Stoffe, grobe plumpe Nähte. In Zeiten ohne Maschinen galt es, so fein und gleichmäßig wie nur möglich zu arbeiten.
Viele unterschiedliche Nahtarten machten Kleidung komfortabel, der oft verwendete Überwendlichstich verbindet und versäubert gleichzeitig, macht die Kleidung langlebig.
Mit Maschinen lässt sich das schwer reproduzieren.
Textiler Fleiß über den einfachen Bedarf hinaus, und der damit verbundene Zeitaufwand, sind Luxusgut. Man muss neben den täglich anfallenden Arbeiten, genügend Muße, Licht und Wärme für diese Kunst haben. Ganz unabhängig davon, welche Materialien (das Minimum oder kostbarer Luxus) zur Verfügung standen.





Dienstag, 23. August 2016

Kissen im Mittelalter

Auf vielen, wirklich sehr vielen mittelalterlichen Abbildungen finden sich Kissen aller Art.
In Betten, auf Böden, vor allem aber auf Sitzmöbeln.
Wenn man genau hin schaut, findet man beinahe auf jeder sitzenden Heiligendarstellung ein Sitzkissen, mal gut zu erkennen, mal weniger gut. Oft bunt und scheinbar kostbar. Was nicht verwunderlich ist, denn es werden hochgestellte Personen dargestellt. Umgeben von standesmässen Luxusartikeln.

Mein Blick gilt einer Kissenform die ein wenig Sackartig wirkt und meist bei den sehr frühen Buchmalereien auftaucht. Einen schnellen Überblick, was ich meine findet man z.B. hier in Bildern aus der Otonik :
https://de.wikipedia.org/wiki/Hauptwerke_der_ottonischen_Buchmalerei
(Quelle: Wikipedia)

Viele dieser Kissen waren vielleicht aus bunter importierter Seide. Seide scheint über einen langen Zeitraum, sehr angesagt gewesen zu sein. Erhaltene Stücke, wie zB in St Severin Köln, zeigen das sie geliebt, gepflegt und immer wieder anders verwendet wurde. Möglich ist aber auch das die Kissen aus gefärbter Wolle waren. Ob die Kissen aus bunt gewebten Stoffen, aus bunt bestickten, oder mit Borten verzierten Geweben waren, kann man auf den Bildern selten erkennen. Vermutlich war die Vielfalt weit größer, als es die Bilder erkennen lassen. So versuche ich eine Nachbildung dieser Kissen Form.

Eine Bindung die in meinen Augen nach Farbe schreit, ist der Rosettenköper der gerade an meinem Webstuhl eingerichtet ist. Ein kleines Original Stück diesen Gewebes, hat sich als Abdruck an einem Metallstück erhalten, die Farbe(n) des Textils sind also unbekannt. Ebenso ob das Muster von dem ein kleines Stück erhalten ist, in der Formvielfalt in der ich es verarbeitet habe, so verwendet wurde. Mein Kissen ist der Form nach, den Kissen auf Abbildungen nach empfunden, wohl wissend, das zwischen Kissen und Gewebe, Jahrhunderte liegen.

Die Umsetzung:
die Kette ist industriell gefärbt und entspricht einem dunklen Krapp Rot. Die Schussgarne sind außer dem hellrot und dunkelgrün, pflanzlich gefärbt. Verwendet wurde was teuer war : Doppelfärbungen Indigo/Reseda, Indigo, Cochenille, Reseda. Die industriell gefärbten Garne entsprechen Kermes Laus und Waid/Reseda. Alle Nähte sind von Hand gefertigt, gestopft ist das Kissen mit Wollresten.





Sonntag, 7. August 2016

Krappwurzel Rubia tinktoria

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen auf die Färbedroge Krapp zu verzichten.

Warum ?

Krapp steht im Verdacht Krebs erregend zu sein.
Die Zulassungen krappwurzelhaltiger Arzneimittel wurden dementsprechend am 15. März 1993 durch das Bundesgesundheitsamt widerrufen. Krappwurzel wird im Verhältnis 2:1 Färbedroge/Färbegut verwendet, also in größeren Mengen. 
Einige Darsteller meiden neuerlich Krapp und auch ich möchte mich und meine Familie, den Dämpfen die beim färben entstehen nicht mehr aussetzen.

Als Alternative stehen Cochenille oder chemische Farben zur Verfügung, letzteres gerne ebenfalls handgefärbt in schönen Krapp ähnlichen Rottönen.


http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/484926

Sonntag, 31. Juli 2016

Kleinkariertes

Versucht man eine historisierte textile Ausstattung nach einem Original Bild nach zu stellen, so stößt man schnell an die Grenzen des 1:1 Belegbaren.
Weil "das" Bild zu ungenau ist - je weiter man in die Geschichte zurück reist, um so dünner die Beleglage - und aus der Notwendigkeit heraus, da rutscht etwas, das hält nicht, da fehlt etwas.

Dazu kommt dann oft die Notwendigkeit persönliches zu verdecken und Autoschlüssel, Telefon, Medikamente unsichtbar transportieren zu können.

Gut wenn es für den Zeitraum einige textile Fragmente gibt, die uns etwas über Muster, Feinheit und Verarbeitung verraten.
Im Fundgut des Salzbergwerkes Hallstadt kommt das so genannte Pepita Muster vor. Es ist datiert auf die "Keltenzeit".

Im Kundenauftrag ist diese Bauchschärpe in meiner Werkstatt entstanden. Sie soll ein Oberteil unter einem Schwertgurt gürten und für Halt sorgen. Das Foto ist improvisiert, es ist natürlich für den Schwertgurt eines Herren gedacht.

Das Material ist reine Wolle, das blaue Garn ist Indigo gefärbt. 10Fäden je 1cm, 2/2er Köper, in Pepita Farbverflechtung. Gedrehten Fransen finden sich im Fundgut von Hallstadt.



Weil noch Kette übrig war, sind noch eine Umhängetasche und eine kleines Täschchen entstanden aus der Rubrik *P* wie praktisch:

17 x19cm Schultergurt 1,40m, der Gurt ist eine Gratiszugabe, da fehlerhaft und kann wieder entfernt werden.
Zum Ende der Kette hin, wollte ich ein wenig mit dem Muster spielen. Das Muster wurde so nicht gefunden - das Telefon übrigens auch nicht.

9 x 14cm ohne Überwurf und Fransen gemessen

Nachtrag, 09.08 2016

Rekonstruktion des Panzergrabes von Kleinklein: Der Kröllkogel HaD1. Krieger mit Pferd, ohne Harnisch.