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Montag, 21. Dezember 2015

Beinwickel - ein Experiment

Beim weben am Gewichtswebstuhl ist eine Borte als technische Kante hilfreich.
Diese Borte kann Brettchengewebt, oder Ripsgewebt sein, und jeder Schussfaden  im Band ist zugleich Kettfaden im späteren Tuch. Später wird dieses Band samt Kette oben am Gewichtswebstuhl angebracht. Am fertigen Gewebe hat man später schon 3 versäuberte Webkanten, statt wie beim Flachwebstuhl nur 2 versäuberte Kanten und zwei Schnittkanten.
Bei den sogenannten Prachtmänteln, wird die 4te Kante ebenfalls mit einer Borte versäubert, 2 seitliche Borten sind Zierde.

Der Gedanke, das am Beginn eines Beinwickels eine Borte gewesen sein könnte, hat mich zu einem Experiment bewegt, bei dem ich die technische Anfangsborte verlängert habe, so das die Bindebänder schon fest am Gewebe dran sind.





So weit meine Theorie.

Die Umsetzung:

Da ich keinen Gewichtswebstuhl besitze, habe ich zuerst die Beinwickel gewebt, und die Borte nachträglich angewebt.
Das Garn ist ein naturfarbenes einfädiges Industriegarn aus recht groben Schafshaaren, das zur Stabilität nachgesponnen ist. Das Garn hat eine S Spinnung
Das Schussgarn für das Hauptgewebe ist in Z Richtung handgesponnen.
Die Bindung ist Fischgrat, die Farbtöne sind mit Absicht dunkel ohne starken Kontrast gewählt und sollen später zur Ausstattung des einfachen Slawen passen.
zum einfachen Slawen bitte runter scrollen

Ein Blick auf das Gewebe in (unterschiedlicher) Vergrößerung :




Hier ein fertiger Wickel mit Borte, die Kettfäden der Borte sind an jedem Ende durch 2 geflochtene Zöpfchen gesichert.




























Hier die Wickel an meinem Modell vor Ort, das Bild ist improvisiert, Schuhe und Socken passen zeitlich nicht.

Nun müssen sich die Wickel samt Bänder beim zukünftigen Besitzer bewähren, um im Langzeittest zu sehen, ob es eine gute Idee war, das technische Band zu verlängern.

Denkbar ist - da Wadenwickel über einen langen Zeitraum, von vieles verschiedenen Volksgruppen getragen wurden - das es Modeströmungen und recht unterschiedliche Varianten gab, sie zu tragen. In manchen Gräbern finden sich kleine Metallhäkchen, die möglicherweise solche Wickelbänder verschlossen haben, in anderen fehlen sie im Fundgut.

Montag, 14. Dezember 2015

Anleitung zur Schnittmuster Erstellung einer Hose nach Art der Damendorfhose

Immer wieder werde ich nach dem Schnitt der Damendorfhose gefragt, darum versuche ich mich an einer Anleitung. Vorneweg - der Weg zum Schnittmuster ist steinig. Jeder Körper ist anders, das Schnittmuster an sich, hat seine Tücken in Form der Dreiecke.
Ich bin keine Schneiderin, keine Fachfrau, keine Expertin, sondern Laie. Wenn Ihr Fehler findet bitte ich um Nachricht, damit sie nicht unnötig verbreitet, sondern berichtigt werden.

Zu Beginn wird der zukünftige Träger der Hose sorgfältig vermessen.

Und zwar:
(Nummerierung siehe Bild weiter unten)
  • 1 + 10 Hüftumfang
  •  2 Strecke unterhalb vom Po bis über den Po, etwa bis zur Höhe des Bauchnabel
  • 5 Mitte Oberschenkel
  • 6 Knie an der stärksten Stelle
  • 7 Fuß an der dicksten Stelle/ von der Ferse diagonal zum bis vorn über den Fuß = untere Weite des Hosenbeins
  • 4 Schritt bis Fußsohle
  • 8 Hüfte bis Fußsohle
  • *Fußsohle bis Knie
  • *Fußsohle bis Mitte Oberschenkel
  • *Ab Po bis halbe Brust, ab dem Punkt vom Vorposten
Die Maße mit Sternchen werden benötigt um im Schnittmuster die Messpunkte an der richtigen Postion zu haben.
Hilfreich ist es, sich eine Zeichnung vom Körper zu machen und die Maße darauf zu notieren.

Hier die Schnitteile der Original Hose, wegen Bildrechte nachgezeichnet :

Nun gehts los. Ihr braucht eine Art Schnittmusterpapier -  Packpapier oder Renovierfolie geht wunderbar.
Eine Holzleiste mit einem Papiermaßband aus dem Möbelhaus oder Baumarkt beklebt, ergibt ein wunderbares Riesenlineal.

Den Hüftumfang durch 3 teilen und aufrunden, eine Bequemlichkeitszugabe dazu, und ihr habt das Maß 1 und 10.

Beginnen wir mit dem Bein.
Anders als bei heutigen Hosen besteht das Bein nicht aus 2 Schnitteilen sondern nur einem, das das ganze Bein umschließt.
Auf dem zukünftigen Schnittmuster wird das Maß 1 eingezeichnet, dann das Maß 8. Die anderen Maße ein zeichnen.
Ein Maß fehlt, da habe ich getrickst, die Kurve für den Schritt habe ich frei Schnauze gezeichnet, anders wusste ich mir nicht zu helfen.
Für die Innenlinie nun die Maße verbinden, indem man ein langes Lineal anlegt und die Punkte verbindet.

Für den grünen Teil, bitte bedenken, die Hose ist höher geschnitten als heutige Hosen, vorn reicht die Hose ohne Rollbund etwa bis zum Bauchnabel.
Auf dem Papier erst einmal ein Rechteck nach Eurem Maß zeichnen, später an der Linie unterhalb von Po etwas einrunden.
Am Schnittmuster rundeherum an allen Teile 2cm Nahtzugabe zeichnen. Und das Schnittmuster aus schneiden.

Das Dreieck kommt später.

Ganz wichtig, zuerst eine Probehose fertigen. Als Stoff eine alte Bettwäsche o.Ä. verarbeiten, mindestens ein erstes Modell, landet in der Lumpenkiste.
- Das Schnittmuster auf den Stoff legen und ohne Zugabe ausschneiden. Die Zugabe haben wir ja schon eingeplant.
- Wir verbinden als erstes die kurvige Naht am Schritt, beide Teile auf einander legen. Am besten auf der Nähmaschine per großen Zickzack Stich nähen. Das ist elastisch, und kommt der späterer Torsberg Naht am Ähnlichsten.
- Nun das Po Viereck ein nähen.
- die Beine zusammen stecken, dabei am Fuß beginnen und sich hoch arbeiten. Etwa eine Handlänge unterhalb vom Po (es kann auch mehr sein) Beginnt das Dreieck, da wo man das Gefühl hat, hier fehlt was. Ab hier offen lassen.
Probehose aus ungeliebten Stoff


- Nun beginnen wir mit dem Dreieck.

Das müssen wir nun aus messen.
Nun ist ein Hilfsfaden eine große Erleichterung. ( Geometrie : wer kann aus dem Stehgreif heraus ein Dreieck zeichnen ? ) Der Faden kann ein Stück Wollfaden sein, oder eine Schnur, und braucht man 4 Stecknadeln.
Der Hilfsfaden wir an einem Punkt des Dreiecks an der Hose festgesteckt, genau in der Spitze. Nun den Faden bis zur nächsten Spitze führen, in der Spitze eine weitere Nadel fest stecken, bis zur 3ten Ecke und wieder zum Anfang. Dann Schnittmusterpapier oder Folie auf einen Untergrund stecken (Pinnwand, dicker Teppich o.Ä.) und das Dreieck mit Hilfe des Hilfsfadens und der Markierungen mit den Nadeln, darauf fest stecken.

Nachzeichnen und wieder an allen Seiten, 2 cm Nahtzugabe. Die Spitzen von Seiten 12/13 und 13/11 nicht auslaufen lassen.


Ausprobieren ob es in die Hose passt. Tut es ? Super !
- das Dreieck aus Stoff zu schneiden, einnähen.
- der Bund besteht aus der Summe der Maße 2 x Nr 1+ Nr 10 plus Nahtzugabe, die Höhe nach Bequemlichkeit, lieber erst mal zu viel als zu wenig einplanen. Denn später wird ein Gürtel mit dem Bund gerollt, das sieht dann ähnlich aus wie bei Obelix.

Nun wird es spannend ! Das erste Probetragen. Wenn die Hose passt, unbedingt hin setzen und auch in die Hocke gehen. Nichts gerissen ? Fein, dann kann man mit der guten Hose beginnen.
Passt nicht ? Nicht traurig sein, sie passt selten auf Anhieb. Meist muss man es mehrmals versuchen, bis alles richtig ist.

Die Anleitung zum nähen habe ich vor einiger Zeit schon einmal gepostet:
http://zeitensprung.blogspot.de/2015/04/hose-nach-dem-fund-vom-damendorf-moor.html

Quellen:
das Original in Schloss Gottorf  http://www.schloss-gottorf.de/ 


Karl Schlabow: Textilfunde aus der Eisenzeit in Norddeutschland 



Farke, H.: Ein zweitausendjähriges Bekleidungsstück nach der Präsentation in der Ausstellung. 
In: Textilmuseum Neumünster (Hrsg.): Archäologische Textilfunde - Archaeological Textiles. 
NESAT V. Neumünster 1994, S. 69-82.

Foto : http://www.fotosmax.lu/de-fotograf/

Dienstag, 8. Dezember 2015

Webabfall - färben mit Lebensmittelfarben

Webabfall

Was so nach Müll klingt, muss keiner sein.
Wolle ist in meinen Augen ein wertvoller Rohstoff, der vom Tier gewonnen wird. Die Reste in den Müll zu werfen, fände ich nicht nur verschwenderisch, sondern auch respektlos.

Beim weben fallen immer Reste an. Der Teil der Kette der anfangs am Webstuhl angebunden wird, und der Teil der Kette ,wo die Schäfte sind, die einen technisch bedingten Spielraum brauchen.
Schöne pflanzengefärbte Garnreste kann man oft wunderbar zum nähen und sticken verwenden, aus kurzen Stücken Troddeln binden, ganz kurze Stück, egal welcher Art kommen als Füllung in Kissen so lange sie aus reiner Wolle sind.

In den letzten Wochen habe ich sehr viele dicke naturfarbene Garne in langen Ketten verarbeitet, und es ist dementsprechend Restgarn vorhanden, teils lange Restgarne.
Beim abendlichen Fernsehen habe ich nebenher die Stücke aneinander geknotet, und so sind ein paar Pantoffeln, ein gehäkeltes Körbchen und ein Pullunder entstanden.
Bei den Pantoffeln sind die Knoten innen und sie stören erstaunlich wenig. Bei Körbchen und Pullunder  sind die Knoten mit Absicht nach aussen gesetzt, quasi als Effektgarn.

Oberteil nach der Vorwäsche, Rest ungewaschen mit Restfett


















Sicherlich könnte man auch mit den Webresten filzen, entweder so wie sie sind, zusammen mit Filzwolle, oder auch indem man sie durch den Kardierer jagt. Das müssen jedoch Andere testen, filzen ist überhaupt nicht mein Ding, ich hasse klamme Unterarme.








Wolle mit Lebensmittelfarbe dauerhaft färben


Natur war mir etwas zu langweilig.
Wie bekommt man Wolle schnell und preiswert farbig ?

Mit Lebensmittelfarben !

Im Asia Laden gibt es Lebensmittelfarbe in kleinen Töpfchen. Sie kosten  etwas um 1€ rum, und es gibt sie in Wackelpuddinggrün, Gelb, Orange und Rot.
Mein erster Versuch war mit Orange und ergab ein leuchtendes Bauarbeiterorange. Eine wirklich heftige Farbe. Nicht so ganz mein Ding.
So wurde das Stück in Rot überfärbt. Damit die Farbe nicht wieder so Signalfarben ausfällt, habe ich die Flotte mit je einem Blättchen Ostereierfarbe Blau und Grün abgetönt, um ein erdigen Unterton ein zu mischen.
Gefärbt wurde in Einkochautomaten , etwa halb voll Wasser, zu der Flotte habe ich nach Gefühl, Essig Essenz gegeben, das Färbegut kalt eingeweicht und in die kalte Flotte gegeben, dann hochgeheizt bis es kocht*, kurz köcheln lassen, dann den Topf aus geschaltet. Das Färbegut zusammen mit der Flotte abkühlen lassen. Ab und zu das Färbegut bewegen. Danach wurde das Oberteil in der Waschmaschine per Wollprogramm ganz normal mit Wollpflege gewaschen - fertig.
(Niemals Garne in der Maschine waschen ! )
Eine Vorbeize ist nicht nötig. Das ist Ideal für Schnellentschlossene.Weil ich den Woll/Essig Duft nicht mag, mache ich das draußen.
Färben lässt sich so Wolle vom Schaf, vermutlich auch andere tierische Fasern.
Nicht färben lassen sich Kunstfasern und pflanzeliche Fasern.

 * Wolle kann man kochen, ohne das sie einläuft, indem man sie zusammen mit der Flotte (oder auch Waschwasser) erhitzt. Setzt man Wolle Temperaturschocks aus, läuft sie ein.

mein Lieblingsstück der Saison



























Die Fadenenden sind durchs färben und waschen verfilzt. Das Gestick ist es nicht. Das sieht witzig aus.
Das Tuch das im Bild auf dem Oberteil liegt, ist mit Krappwurzeln (für den Alltag mir eigentlich zu teuer und aufwendig) gefärbte Seide, die Beiden passen gut zueinander.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Raufen oder Scheren ?

Im mittelalterliche Outfit unterwegs, höre ich immer wieder von der Generation die den WK2 erleben musste, wie hässlich ihre Wollkleidung gekratzt und gejuckt hat. Wolle sei scheußlich, man habe sie gehasst. An dieser Stelle kommen blumige Beschreibungen von langen handgetrickten Strümpfen und Leibchen.

Heutige Wolle egal ob Strickgarne oder Wolltuch, ist meist aufwendig aufgearbeitet, behandelt, und, oder hat Beimischungen, damit sie das nicht mehr tun.
Auch schon im Mittelalter hat mich sich geholfen. Die Schafe wurden mit unter, nicht geschoren sondern ausgerauft. Man nutze den natürlichen Fellwechsel im Frühjahr, wenn das Tier das Winterhaar abwirft aus, und raufte das Fell aus. Die Grannenhaare, die bei einer Schur im Fleece landen, verbleiben am Körper des Schafs. Grannenhaar ist dicker und härter, als die anderen Haare, sie sind es die piksen und jucken.

In einem sehr schönen Video über die Lendbren Tunika, sieht man ab Minute 4, wie ein Schaf gerauft wird. Ab Minute 4,55 sieht man das Schaf mit den Grannenhaaren.
https://www.youtube.com/watch?v=15IxF53AZfE&feature=youtu.be


Belege aus dem Mittelalter, gibt es sowohl für die Schur, als auch für das raufen. Die Verarbeitung von Textilien, und alles was damit zu tun hat, wie  die Vorarbeiten, oder die Endveredlung, war vielfältig.
Auf der Wurt Hessens/Nordeutschland lässt sich für den Zeitraum um 800 eine Anlage zum raufen von Schafen nachweisen.



Zur Vertiefung Literatur :
Die Ausgrabungen auf der frühmittelalterlichen Wurt Hessens in Wilhelmshaven
Autoren/Herausgeber: Anette Siegmüller

ISBN/EAN: 9783867573313

Mehr Infos zur Lendbren Tunika hat Marled auf ihrem Blog Archäotechnik zusammen gestellt :
http://textileflaeche.blogspot.de/2014/12/die-tunika-von-lendbreen.html
http://textileflaeche.blogspot.de/2014/12/nachste-uberlegungen-zu-lendbreentunika.html
http://textileflaeche.blogspot.de/2015/01/lendbreentunika-3-die-ersten-zentimeter.html

Montag, 23. November 2015

Stoffkatze aus Danzig, ein erster Versuch

In den 50ger Jahren des 20ten Jahrhunderts wurde in Polen eine kleine Stoffkatze gefunden.
Sie wird im Archäologischen Museum in Danzig ausgestellt.
http://www.archeologia.pl/
Laut meiner Literatur ist sie auf das 11 - 13 Jahrhundert datiert.
Das Textil aus dem die Katze besteht, ist heute eine filzige Masse. Wie sie hergestellt wurde lässt sich nicht genau sagen. Ob das Objekt damals schon gefilzt war, weiß man nicht, das Stück könnte auch durch Druck und Reibung im Boden verfilzt sein.
Es hat eine Länge von 18cm und wird als Kinderspielzeug bezeichnet.

Das was heute erhalten ist, ist recht unansehnlich. Es fehlt ein Stück Schwanz, die Ohren sind gar nicht mehr vorhanden, aber die Proportionen erscheinen erstaunlich naturgetreu.
Vielleicht ist das Stück aus Stoffresten gemacht ?

Mein Versuch zur Umsetzung:

Um ein Gefühl für die Größe und Proportionen zu bekommen, habe ich mit Skizzen begonnen.
Eine Erste vom Objekt so wie es heute aussieht. Eine zweite, so wie es ausgesehen haben könnte.



Für meinen ersten Versuch habe ich gewalkte Stoffreste aus Wollstoff verwendet. Walussbraun ist nicht die passendste Farbe für eine Katze, aber nun ja, das war nun mal da.
Bis auf den Kopf, habe ich alle Schnittteile aus Rechtecken genäht, und mich dabei an der Schnitttechnik von Kleidung der Zeit orientiert, die Stoffsparend aus Rechtecken und Dreiecken bestand.
Mein Stoffstück war etwa 15 x 25cm groß, und es sind einige Schnipsel übrig geblieben. Genäht habe ich der Stabilität wegen, mit gewachsten Leinengarn. Gefüllt habe ich das Tierchen mit Garnschnipseln (Webreste).
Was die Gestaltung des Gesichts angeht, vermute ich, das ich den Zeitgeist des Mittelalters ohne Vorlage nicht einfangen konnte. Das Stickgarn ist pflanzengefärbtes Wollgarn und gewachstes Leinen für die Schnurrhaare.
Arbeitszeit etwa 3 Stunden.


Der Körper wäre auch ein prima Dackel geworden ...

ein weiteres Stück für meine Sammlung von Rekos mittelalterlicher Spielzeuge.

Literatur:
Manfred Gläser, " Lübecker Kolloquium zur Stadtarchäologie im Hanseraum VIII - Kindheit und Jugend, Ausbildung und Freizeit"
Verlag: Schmidt-Römhild
ISBN-10: 3795052106 
ISBN-13: 978-3795052102

Vielen Dank und herzliche Grüße an das Archäologische Museum in Danzig. Thanks and best regards to the Archaeological Museum in Gdansk

Donnerstag, 19. November 2015

aus meinem Buchbestand

Weil ich in letzter Zeit so oft gefragt wurde - mal eine Auswahl aus meinem Buchbestand zum Thema weben :


da ich ja übers Garn spinnen und der Frage "was mache ich mit all den schwangeren Regenwürmern ?" zum weben gekommen bin, war das Buch von  Paula Simmons meine erste Wahl.
Es enthält Materialkunde, Anleitungen zum Spinnen und weben, viele nützliche Kniffe, auch Baupläne für ein Spinnrad, einen Webstuhl und andere Anleitungen von nützlichen Arbeitsgerät, zum selber machen.

Dann liegt da ganz links die Weber Bibel im Bild, "Handbuch weben" von Erika Arndt. Ein tolles Buch, hat man es, braucht man theoretisch kein Anderes. Es bietet einen kleinen Überblick über die Geschichte der Weberei, alles was man zum weben erlernen braucht, und einen Teil zum praktischen Arbeiten incl. Webpatronen.

Wer gerne mit Mustern spielt und gerne viele verschiedene Muster weben mag, dem möchte ich das "the Handweaver Pattern Directory" ans Herz legen. Das Buch ist in Englisch, eigentlich käme es aber ganz ohne Text aus, denn die Bilder sind selbsterklärend und sehr anschaulich.
Auf großen Bildern sieht man Gewebe von der Vor und Rückseite, da neben die Patrone, samt Trittfolge und Anbindeplan.

Ich habe manchmal ein Brett vor dem Kopf. Es gibt ein Problemchen und in Buch A verstehe ich gerade die Anleitung nicht. In dem Fall ist es toll, noch Buch B zu haben, in dem ein anderer Mensch ein ganz klein wenig anders heran geht, oder es mit anderen Worten erklärt.
"Das große Webbuch" von Laila Lundell.
Ebenfalls ein solides Buch nach dem man gut arbeiten kann, eine schöne Ergänzung zu den anderen Büchern.

Hmm - dann füllen etlich andere Bücher zum Thema weben mein Regal ... aber das ist eigentlich Luxus.
Ein anderes Buch, das ich auch gerne noch zeigen mag, ist dieses:
Es wird ständig neu aufgelegt und dabei immer wieder aktualisiert, es lohnt also durch aus, es mehr als einmal zu haben. (auf dem Trödelmarkt zu schlagen) Hier geht es um Materialkunde, aber auch um Herstellungsprozesse. Ein Füllhorn an Wissen für Kleidermotten.

Von links nach rechts:

Erika Arndt "Handbuch Weben"

  • Verlag: Haupt
  • ISBN-10: 325860102X
  • ISBN-13: 978-3258601021

 Paula Simmons "Spinnen und Weben mit Wolle" 

  • Verlag: Ravensburger Buchverlag
  • ISBN-10: 3473423270
  • ISBN-13: 978-3473423279 
das Buch ist nur antiquarisch erhältlich, mein Tipp - die Fernleihe einer Bücherrei nutzen, so kann man für kleines Geld, Bücher lesen, die man nur erschwert und teuer kaufen kann.

Anne Dixon "The Handweaver's Pattern Directory"

  • Verlag: Rizzoli (1900)
  • ASIN: B00ZVOXFOI
Spiralbuch

Laila Lundell und Tomas Lundell "Das große Webbuch"

  • Verlag: Paul Haupt
  • ISBN-10: 3258027471
  • ISBN-13: 978-3258027470

Ursula Völker, Katrin Brückner "Von der Faser zum Stoff" : Textile Werkstoff- und Warenkunde

  • Verlag: Verlag Handwerk und Technik; Auflage: 33., komplett überarb. A. (2006)
  • ISBN-10: 3582051129
  • ISBN-13: 978-3582051127


Mittwoch, 21. Oktober 2015

Tagesdecke Regenbogen

Diesmal im Kundenauftrag etwas Unhistorisches, eine große Decke in Regenbogenfarben.
Das Material besteht aus den bewährten Biogarnen vom Finkhof 100% Wolle. Die Kette ist das dünne Naturgarn, der Schuss das Dicke Chemisch Gefärbte. Die Bindung ist ein 2/1er Zick-Zack-Köper. Die Schusslastige Seite ist die Schauseite. Die Decke wird aus 2 Bahnen zusammen gesetzt, um die nötige Größe zu erhalten.

Entwurf

Garn für die erste Bahn
Die 2 Bahnen werden erst mit einem Heftstich von Hand zusammen genäht, und anschießend mit Überwendlichstichen mit einer dicken, dekorativen, raupenartigen Naht vernäht. Wieder von Hand, weil ich es einfach so gewohnt bin, aber auch um mit den Garnen der Decke arbeiten zu können.

Man erkennt im roten Teil gut, das die Naht noch nicht fertig ist.
Ein Einzelbett wird die Decke schön abdecken. 


Die Wäscheleine ist für diese Decke nicht groß genug.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Beuteltasche nach Altenberg

Leute die meine Leidenschaft teilen kennen es vermutlich - manchmal muss man etwas machen, was man nicht braucht, denn es schreit danach gemacht zu werden.
Eins von dieser langen Liste ist der Beutel aus dem Altenberg Fundkomplex, einer Bergbausiedlung aus dem 13ten Jahrhundert.

Das erhaltene Stück ist aus einem gelb/braunen Stoff, die Überwurf Lasche fehlt, sie scheint aber damals vorhanden gewesen zu sein. Heute ist ein Stück Leder sichtbar, aber es gibt Hinweise, das dieses Leder, ursprünglich Pelz gewesen ist.
Vielleicht war diese Tasche eine kleine Tasche für Nascherein, oder Medizin ? Man weiß es nicht. Schwere Dinge hat man darin jedenfalls nicht getragen.
Laut Publikation wurde die Tasche mit der Pelzseite nach außen getragen, der Gürtel durch die Tasche durch geschlungen. Meine Vermutung ist, das man dazu einen zweiten Gürtel trug, an dem die Tasche locker hängen konnte, so das man bequem hinein greifen kann, wenn man die Lasche nach aussen klappt. Zum verschießen klappt man die Lasche nach innen. Die Tasche sollte so mit einer Hand zu bedienen sein. Ob das so gewesen ist, weiß man ebenfalls nicht.

Da ich ein kleines Stück vom Altenbergstoff zurück behalten habe, habe ich ihn genutzt diese Tasche zu nähen, zusammen mit einem halben Marder, der von einem anderen Projekt übrig war.







Literatur :

Der Altenberg. Eine Bergbausiedlung des 13. Jahrhunderts im Siegerland. Band 1: Die Befunde, Band 2: Die Funde
ISBN-10: 3774928320 
ISBN-13: 978-3774928329

Freitag, 18. September 2015

2/1er Rippen/Rautenköper

Textilien sind im Boden leicht vergänglich.
Es ist ein Glücksfall wenn sich an Metallfunden, Abdrücke von Geweben erhalten haben, weil das Metall in das Gewebe hinein korrodiert ist, und man so indirekt weiß, wie die Textilien ausgesehen haben könnten. Auch wenn das eigentliche Gewebe längst vergangen ist.

Unter den so erhaltenen Textilabdrücken aus dem Fundkomplex "Alamanische Adelsgräber von Niederstotzingen" ist in Grab 3b der Abdruck eines Rippen/Rauten Köpers an der Rückseite einer großen Metallschnalle erhalten.
Eine Anlehnung an diesen Stoff, webe ich im Kundenauftrag nach.
Wir kennen vom Stoff nur ein kleines Stück, und ist es der Wunsch der Kundin, einen Stoff passgenau für ein Kleid gewebt zu haben. Das heißt die Rippen, sollen nicht auf das ganze Gewebe verteilt sein, sondern dekorativ gesetzt werden.


 Schnitt und Recherche von Sally Schönekess:
 http://www.alamannin.de/index.php/m-f-kleidung/m-unterkleid-leinen


Bei diesem Stoff, wurde gezielt mit der Kett und Schusslastigen Seite gespielt. Zwischen den Streifen wurde die Kettlastige Seite, also quasi die Rückseite, für wenige Schüsse auf die Schauseite gebracht. Der eigentliche Musterstreifen besteht aus 3 Schuss Kettlastige, es folgen weitere 3 Schusslastige Schüsse, danach wieder 3 Kettlastige. Dadurch entsteht eine optische Rippe.

Die Umsetzung:
Der Originalstoff ist für heute Verhältnisse recht fein.
Mein Rekostruktionsversuch liegt bei 10 Fäden je cm und ist gröber als die Vorlage. Das Garn ist aus pflanzengefärbter Wolle. (Krapp, Indigo,Reseda )

 

Der Abdruck der Schnalle zeigt einen Abdruck in Form und Muster innerhalb der grünen Konturen, die Münze muss man sich weg denken, da der Stoff feiner und die Schnalle klein ist.

So sieht der Stoff frisch vom Webstuhl aus. Er ist noch ungeputzt und ungewaschen, er wird noch etwas einlaufen, deshalb stimmen die Proportionen mit der zu kleinen Puppe nicht überein.

Auch dieser Stoff, hat einen deutlichen Unterschied zwischen Vor und Rückseite. Man kann gut erkennen wo die Vorderseite nach hinten geholt wurde.






































Literatur:
Alamannische Adelsgräber von Niederstotzingen 
Peter Paulsen 1967
Band 2
Kapitel die Textilfunde von H-J Hundt

Montag, 7. September 2015

Musee Cluny /Paris

Mitten in Paris, liegt das Musee Cluny, das aussieht wie ein malerisches altes Schlösschen. Das Gebäude ist eine ehemalige Abtei. Es ist ein Museum für mittelalterliche Kunst.
Mein Besuch dort, hat mir sehr gut gefallen. Das Gebäude ist wunderbar gut erhalten, die Ausstellungsstücke sind gut ausgeleuchtet, man darf ohne Blitz und Stativ fotografieren. Nach einer kleinen Taschenkontrollen durfte ich sogar meinen Rucksack mit nehmen. Es hätte jedoch auch die Möglichkeit gegeben, Gepäck unter zu stellen.


Zu sehen gibt es etliche Bein und Elfenbeinarbeiten. Einen eigenen Raum mit Goldschmiedearbeiten - allein mit diesem Raum könnte man ein Museum füllen. Truhen und Kästchen aus Holz. Einen Raum mit spätmittelalterlichen Rüstzeug, Räume in dem wunderbare farbige Glasfenster in Szene gesetzt sind, Räume zur Präsentation der Einhorn Teppiche. Zwischendurch Teppiche, Chorgestühle, Keramiken, Steinfiguren. Wow.

Ein Museumsshop, vollgestopft mit Büchern, Bücher die alle mit spannenden Themen zu tun haben, etwa Archäologie, Pflanzen, Architektur, Textilien, nette Kinderbücher, Postkarten, Kissen, Wohntextilien und Lesezeichen, mit den Motiven der Wandteppiche.
Einen Museumsguide mit schönen Aufnamen und den dazugehörigen Beschreibungen, gibt es je in Französisch und Englisch in Taschenbuchformat zu 18€, einen Kauf den ich nicht bereue.
Der Eintritt war an diesem Tag kostenlos.

Ein intensiver Besuch der Homepage lohnt, man kann sich viele Stücke im Katalogteil anschauen, oft von mehreren Seiten.
http://www.musee-moyenage.fr/



Montag, 31. August 2015

Ausflug in die Archäologie

Schon als Kind fand ich Archäologie spannend. In Dokumentarfilmen saßen Leute im Sand und haben mit Pinseln riesige Amphoren ausgegraben - das wollte ich auch einmal tun.
Wie das oft so ist, das Leben verläuft Anders.
So war es für mich ein Geschenk, an der Ausgrabung der Europäischen Akademie teil nehmen zu dürfen.

Das Tolle an diesem Projekt war, das man vom schlichten Erde schippen und bei Seite räumen, bis zum Funde putzen, unter fachkundigen Anleitung, alles einmal machen durfte.
Ergraben wurden Mauerfragmente einer Römischen Villa Rustika. Gefunden wurden neben den Mauern, Fragmente von Dachschindeln und Bodenfliesen, auch Eisennägel und Keramikscherben. Es scheint einen Brand gegeben zu haben, der vielleicht das Gebäude einstürzen ließ.
Mein ganz persönliches Glanzlicht war ein zerschlagener Mühlstein. Sagt er doch aus, das dort Menschen lebten, die ganz normale Bedürfnisse hatten.

Selbst wenn man schon einmal den ein oder Anderen Ausgrabungs oder Restaurationsbericht gelesen und Fundbilder gesehen hat, ahnt man nicht wie viel Aufwand und Mühe in einem Foto steckt. Weiß nicht, das es kein Zufall ist, das es keine Erdkrümel auf den Bildern sind.
Mühevoll wird der Boden geglättet, sauber geschabt, bis man Verfärbungen im Boden sehen kann.
Hmm - das ist die Kurzversion... da fehlen einige Arbeitsschritte...


Jedenfalls erkennt man längst vergangene Wurzelspuren im Boden, Brandschichten, Humusschichten, etwa das vor über 1000 Jahren, einmal Grasoden umgedreht wurden, um einen festen Lehmboden stampfen zu können.
Kleinfunde werden in Eimern, für jeden Abschnitt gesondert, gesammelt und dokumentiert, und zwar für jede Bodenschicht. So kann man später nachvollziehen, was wo gefunden wurde.
Der eigentliche Wert der Funde liegt in der Dokumentation. Das wo und wie erzählt die Geschichte, nicht nur die Scherbe. Dies ist der Grund warum Störungen von Fundsituationen so traurig sind, die Gegenstände sind ihrer Geschichte, die sie erzählen könnten, beraubt.

Seit einer Woche nun, bin ich wieder Zuhause. Immer noch habe ich ein warmes Glücksgefühl im Bauch. Viel gelernt habe ich in den 2 Wochen.
Ein unerwarteter Schatz, sind neue Bekanntschaften, die Kollegialität bei der Arbeit, das viele herzliche Lachen und der Spaß bei der Arbeit. Die Arbeit war hart, aber ging im Team gut von der Hand.
Meine wertvollste Erkenntnis und Inspiration ist - Alter ist relativ.
Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 88 Jahre alt !
 
So danke ich den vielen Sponsoren das sie das Camp möglich gemacht haben.
Danke an M. Koch - die gute Seele des Projekts, Dr. T. Fritsch und R. Pees für die Anleitungen und Einweisungen, sowie für die geopferte Freizeit.

Hier ein link zur lokalen Presse:
http://www.saarbruecker-zeitung.de/…/Nonnweiler-Archaeologe…

Donnerstag, 6. August 2015

Stoff nach dem Fundkomlex Altenberg

"Der Altenberg" ist ein Fundkomplex rund um ein Bergwerk und die dazugehörende Siedlung aus dem 13. Jahrhundert im Siegerland. Es sind unzählige Fundstücke geborgen worden, darunter auch viele Stofffragmente. Einige davon sind Gestreift.

Das Besondere an diesen Streifen ist, das sie eine andere Struktur haben, als der Grundstoff. Streifenstoffe fanden sich auch an anderen Fundorten, etwa Schleswig und London und es scheint eine neue Mode gegen Ende des Hochmittelalters, auf gekommen zu sein. Die Stoffe des Altenbergs unterscheiden sich von den Stoffen anderer Fundstellen insofern, das sie nicht in 2/2er Köper sondern in 2/1er Köper gewoben sind, und die Fäden der Musterstreifen auf der Rückseite des Stoffs flottieren (aufliegen).

So weit bei den kleinen Textilfragmenten überhaupt Webkanten vorhanden waren, scheinen die Kanten eine sogenannte Webkante zu haben. Auch das ist in dieser Form neu. So weit man die Farben noch erkennen kann, setzen sich diese Webkanten farblich ab.
Webkanten gibt es natürlich bei den Geweben die auch dem Gewichtswebstuhl enstanden sind, aber dort waren sie schmückende und gleichzeitig technische Kanten, die mit einigem Aufwand gearbeitet wurden. Mit dem Aufkommen des Flachwebstuhls verschwinden die Webkanten im Fundgut, um nun in ganz neuer Form wieder hipp zu werden.

Bei meiner Recherche bin ich auf viele Namen für diese Gewebe gestoßen :
erweiterte Leinwandbindung, Extented Tabby, Strijpte Laken, Strahlenmuster.

Bei den Stoffen aus London und Schleswig, liegt der Kettfaden immer über zwei Kettfäden gleichzeitig, das ermöglicht es, die Schussfänden so eng zusammen zu schieben, das die Kette nicht mehr sichtbar ist. Die Altenbergstoffe in 2/1er Köper verlaufen über einen Kettfaden, sind jedoch fester angeschlagen und/oder haben, dickeres Garn innerhalb der Streifen um eine hervortretende Struktur zu erhalten.

Die Umsetzung: 

mein Kunde hat sich einen braunen Streifenstoff gewünscht, passend zu seiner Bergmanndarstellung. Nach dem durchsehen der Altenbergfunde fällt die Wahl auf Stofffragment Nr 3 von Fundstelle 8, "Der Altenberg"  Band 2 S.126
Zitat : mittelbrauner, teilweise verfärbter Wollstoff mit Streifen im Abstand von 3cm. Im Bereich des Streifens flottierende Kettfäden. 10 - 12 cm, Z Grat Köper 2/1 mit Streifen in Leinwandbindung. Kette 10-12 Fäden, Schuss etwa doppelt so dick wie Kette, 4-5 F/cm s-Drehung
Musterstreifen :
2 Stärkere Fäden Rot
4 Fäden braun
2 Stärkere Fäden Rot
Zitatende
Da industriell gesponnenes Garn verwebt wird, entfällt die S/Z Webung. Wie so oft, heißt die Frage bei der Garnwahl nicht, welches nehme ich, sondern was kann ich überhaupt bekommen.
Statt brauner Streifen zwischen dem Rot, haben wir uns für Gelb entschieden. Das Hauptgarn ist ein einfädiges Garn in Naturbraun, für die Musterstreifen, ein etwas dickeres einfädiges Garn, in Reseda und Krapp gefärbt. Die Webkante wird färblich abgesetzt in Blassrot, mit 4 Fäden je Seite.
Die Dichte der Kette liegt bei 10 Fäden je cm.
Die Garne in unterschiedlichen Stärken, rechts auf der Rolle das Kettgarn
Der Stoff

Webkante und Rückseite, mit flottierenden Kettfäden auf den Musterstreifen.

Zum Vergleich ein Stoff von Marled, die den "echten" Extendet Tabby nachgewoben hat :
Link zu Marleds Blog Gestreifter Stoff aus dem Spätmittelalter

Literatur :
Der Altenberg. Eine Bergbausiedlung des 13. Jahrhunderts im Siegerland. Band 1: Die Befunde, Band 2: Die Funde
ISBN-10: 3774928320 
ISBN-13: 978-3774928329

 Textiles and Clothing, C.1150-1450: Finds from Medieval Excavations in London (Medieval Finds from Excavations in London)
ISBN-10: 1843832399 
ISBN-13: 978-1843832393

Einige Funde des 2/2er Köpers mit Streifen sind z.B. im Schloss Gottorf/Schleswig ausgestellt. 

Nachtrag :
der Stoff ist fertig gewoben,gewaschen und geputzt. Er wird mich noch mit nach Minden zur Messe begleiten, wo man ihn sich an schauen kann, dann geht er zum Kunden.

So wirkt er in der Stoffbahn

Nahaufname
weil ich mehr Kette als nötig aufgezogen habe, habe ich noch ein wenig mit Farben gespielt

Auf einem Blog, den ich immer wieder einmal besuche, habe ich Fragmente eines ähnlichen Stoffs entdeckt:

Montag, 13. Juli 2015

Historisches Leinenhemd

Der Schleifischer zeigte mir einen seiner Schätze: ein handgenähtes Leinenhemd, das laut Jörg Nadler, einen Schnitt hat, das einer Barocken Chemise sehr ähnlich ist und aus der historischen Fischersiedlung Schleswigs, dem Holm stammt. Dort überdauerte das Hemd mehrere Generationen lang, scheinbar sehr gut verwahrt, denn es hat weder Löcher, noch Bruchstellen.
Ich bin begeistert - wann hat man einmal die Gelegenheit so etwas in den Händen zu halten, drehen und wenden zu können.
Zu den Schnitttechnischen Details kann ich nicht viel sagen, da ich von Textilien dieser Epoche überhaupt keine Ahnung habe.
Es scheint, als ob die Stoffbahn auf Schultermaß gewebt wurde, und es scheint ähnlich wie viele mittelalterliche Kleidungsstücke, aus Vierecken zu bestehen. Einige Stellen haben doppelte Stofflagen.
Man sieht dem Stoff an, das er handgewoben ist, ich empfinde das Leinen als mittelschweres Bekleidungsleinen. Das Hemd ist ausgesprochen sauber und fein verarbeitet. So eine schöne Näharbeiten habe ich noch nie gesehen. Die Stiche sind gleichmässig und unglaublich fein. Die Kappnähte haben eine Breite von nur 5mm ! Der Nähfaden scheint ein zweifädig gezwirnter Faden zu sein.


Die Manchette sieht innen wie aussen gleich aus.
von der Seite erkennt man die feinen gleichmässigen Ziernähte
Ein Keil an der Seitennaht des Rumpfes, ein kleines Quadrat wurde hier eingesetzt, der Stoff ist gefaltet und liegt doppelt. Im Bild einmal die Außenansicht und einmal innen.
Die Kappnähte
Hier markiert soweit ich sie sehen konnte und in Vergrößerung des darüber stehenden Bildes. Die Angaben sind geschätzt.






Vielen Dank Jörg das Du mir dieses schöne Stück gezeigt hast, und das ich hier in meinem Blog darüber schreiben darf.