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Samstag, 24. Mai 2014

Klappspiegel aus dunklem Horn

Das nächste Modell auf meiner To-do-liste ist ein wirklich kleiner Klappspiegel aus Horn.
Das Original ist ein Fund von der Weinburg Hitzacker, Kr. Lüchow-Dannenberg.
Auch hier wieder der gleiche Stil wie bei dem Warberger Spiegel und dem Kästchen.
Da ich in der Literatur nur schwarz/weiß Bilder habe, und dort von Vergoldungsresten die Rede ist, habe ich ganz dunkles Horn gewählt. Von bikkel en been habe ich ein wunderbares Plättchen bekommen. Es hat auf einer Seite eine schöne Marmorierung und ist auf der anderen Seite uni.
Die marmorierte Seite kommt nach innen, wo sie nicht mit den Schnitzereien konkurrieren muss.

So sieht das Ganze nun nach der ersten Arbeitsrunde aus:


Probehalber einmal Glasstückchen eingelegt:

Auch auf den Daumennagel großen gewölbten Stücken kann man sich gut spiegeln.



Die Spiegelstücke sind nun eingeklebt und mit einem modernen Kitt eingepasst. 
Mit den Schnitzarbeiten bin ich unzufrieden. Mit Horn habe ich so noch nie gearbeitet. Es ist ungewohnt.
Die Proportionen der Figuren stimmen nicht, die Gesichter sind nicht gut geworden. Horn verhält sich beim schnitzen ganz anders, als ich es von Knochen gewohnt bin.

Das nächste Problem, die Verbindung der zwei Elemente. Hier habe ich mich für Seide entschieden, weil es mir zu den Vergoldungsresten als die logische Wahl erschien.
Auch Seide ist nicht mein Material.
Derart unzufrieden mit all dem, habe ich mich statt Echtgold (bei dem ich auch erst viel üben müsste) für Goldfarbe entschieden.

Aber zurück zur Befestigung.
Über die Bohrlöcher habe ich mir lange und viele Gedanken gemacht. Zur Zeit habe ich nur eine Literaturquelle mit guten schwarz/weiß Bildern, aber halt nur eine Quelle. Vergoldunggen sind keine zu erkennen, also weiß ich nicht, wie viel oder wo vergoldet wurde.
Bei einem weichen Material wie Horn, sollten bei häufigem Gebrauch, Abnutzungspuren der Befestigung zu erkennen sein.
Tatsächlich glaube ich am Original welche zu erkennen. Aus der Erfahrung weiß ich aber, das man an einem zweiten Bild aus einem leicht anderen Winkel, oft ganz andere Details erkennt, was Schnitztiefe oder Abnutzung betrifft.
Als Laie stelle ich mir vor, das am unteren Ende keine Metallösen die Spiegelhälften verbunden haben, denn vermutlich wären Reste davon erhalten, wo sich doch am Glas die Metallverspiegelung erhalten hat ? So gehe ich von einer textilen Befestigung aus.
Im Vergleich mit anderen persönlichen Gegenständen aus dem hohem Mittelalter habe ich mich zu geflochtenen Bändchen aus Seide entschieden. Die Enden sind einfach verknotet. Hier könnte ich mir gut kleine Troddeln zB. mit Goldlahn verziert, Perlchen oder türkische Knoten vorstellen.
In Ermangelung besserer Kenntnis habe ich mich für eine Trageweise am Gürtel entschieden, da ich vermute das das Spiegelchen nicht in einem Beutel oder Futteral getragen wurde.
Sollten sich neue Erkenntnisse finden, versuche ich mit einem neuen Rekonstruktionsversuch erneut mein Glück.
Die Bilder schmeicheln meiner Arbeit, aus der Nähe sieht das gute Stück weniger gut aus.
Links im Bild ist das Spiegelchen probehalber am Gürtel befestigt. Ob das nun so war ?
Vermutlich werde ich es nie erfahren.

Montag, 19. Mai 2014

Doppelbreitgewebe

Ein Doppelbreitgewebe, liegt beim weben doppelt, man webt also ein gefaltetes Stück Stoff, bei man die untere Hälfte blind arbeitet.
Die besondere Herausforderung für mich ist es, keine Bügelfalte ein zu weben. Irgendwie will die Seite an der die Mitte des Gewebes liegt, immer zusammen schrumpfen, das Gewebe wird an dieser Stelle dichter. Das liegt daran, das das Gewebe nicht wie frisch gebügelt in einem harten Knick liegt, sondern in einen Bogen. Das zieht an den Kettfäden.
An dieser Seite muss man also besonders viel Schuss einlegen.
Das schreit nach Übung.
( Für die Weber unter Euch : die Beschaffung eines Breithalters ist in Planung.)



von oben

quasi die Mitte
die beiden Außenseiten



Drei Decken sind auf einer Kette entstanden, eine für meinen Mann, eine für die Tochter und eine für mich.

Gewaschen, getrocknet und eingeweiht:


Die rechte Decke ist eine der Neuen


Das war die allererste auf der Kette, man sieht ihr das lernen an, aber immerhin ist die Wolle sehr kuschelig und auch warm.




Auch hier immer noch eine gut erkennbare Gewebeverdichtung in der Mitte, was solls ich werde daran arbeiten.






Die Münze entspricht von der Größe in etwa einem 0,10€ Stück. Eine Aktuelle hatte ich gerade nicht zur Hand.



Mittwoch, 14. Mai 2014

Garne färben

Meine neuen Wollgarne sind da, eigentlich schon etwas länger, aber das färben und wickeln zieht sich wie immer hin.
Das Wetter ist durchwachsen,und so trocknen die Garne nicht so zügig, wie ich färben kann.

 Gelb

Diesmal mit einer Mischung von Gelbfärbern: Weidenblätter, Frauenmantel, römische Kamille, und Zitronenmelisse, dabei heraus gekommen ist:
  •  ein Currygelb im ersten Zug, 
  • Dottergelbes Dochtgarn, beim dünnen Garn helles Curry im zweiten Zug, 
  • und ein warmes Gelb im Dritten Zug.
Es regnet

weshalb ich vom Fenster aus knipse, so übernimmt das Wetter den ersten Spülgang

 Krapprot

das strahlt auf den Fotos mehr, als in echt, die Kamera liebt rot.
  • Erster Zug blassrot
  •  zweiter Zug Schweinchen Rosa.
Bei Krapp war das Wetter schön

man beachte die seltene rosa Schwertlilie, die sich hier vorwitzig ins Bild schiebt, weil sie meint, farblich mit spielen zu dürfen.

 Indigo

Zum Teil habe ich die gelben Stränge überfärbt, interessante Grüntöne sind dabei entstanden.
Bei Blau, schien mal kurz die Sonne fürs Foto

wie schön die Regentröpfchen im Garn glitzern
Verblüffend finde ich immer wieder, wie unterschiedlich die Farbtöne bei den unterschiedlich dicken Garnen ausfallen. Was beim Dochtgarn satt gelb macht, ergibt beim ganz dünnen dunkles sattes Curry. Bei all den vielen Kilo Material die ich im Lauf der Jahre gefärbt habe, gibt es immer noch Überraschungen.

Die Näh Garne habe ich in zwei Stärken, das Dünne ist in etwas so dünn wie Sternchen Zwirn, das Dickere etwa doppelt so dick.
Geplant war das Garn jeweils einmal in dick und einmal in dünn zu haben. Das hat so nicht geklappt.
Schöne Farben sind es dennoch:

und irgendwann ist es dann doch trocken,hier eine Auswahl meiner neuen Nähgarne, die nun aufs spulen warten.

Neu und "alt" brav einsortiert: links meine Pflanzengefärbten, rechts meine Naturnahen Farben, in dieser Stärke sind natürliche Farben in solch guten Qualität, leider nicht auf zu treiben.
 In den nächten Wochen ist noch weiteres Blau geplant, und eine Birkenfärbung.
Dann ist das Wetter hoffentlich trockener und wärmer.

Nun überlege ich wie ich die Näh und Stick Garne anbiete. Einiges ist ja schon in meinem Shop, aber nun jede kleine Farbe einstellen ? Oft sind es ja nur 6 Röllchen, und manchmal gehen die Garne auch per direkter Anfrage weg. Das ist der Grund weshalb im Shop immer nur kleine Stückzahlen eingestellt sind.
Lösungsvorschläge sind willkommen.

 Bestellungen neme ich auch per Mail an, die Portion kostet zur Zeit 3€

Sonntag, 4. Mai 2014

Taschenspiegel um 1150

Wie erwähnt, finden sich immer wieder die gleichen Figuren auf den Spiegelfragmenten.
Es dreht sich um die Tristan und Isolde Sage.
Ich vergleiche das für mich ein wenig mit den Charakteren der Figurentheater wie man es z.B. bei dem indischen Schattentheater oder auch simpel beim Kasperl findet.
Auch hier gibt es Figuren die immer ein wenig Anders aussehen, aber jeweils gleich erkannt werden.
So sind es bei den Spiegeln immer ein Mann und 2 Frauen:
Tristan, Isolde und die Fee.
  • Tristan mal mit Harfe, mal mit Schild oder mit vorgestelltem Bein.
  • Isolde immer mit langem Zopf und Hängeärmel, manchmal mit einem Stück Vorhang in der Hand
  • die Fee in einer Ecke oder im Hintergrund
 Dazu stilisierte Gebäude und Bäume.

Beim aktuellen Projekt habe ich mich für die Gestaltung des Warberger Spiegels als Vorderseite entschieden. Diesen Fund kenne ich am Besten und von ihm eine verbesserte  Version her zu stellen, war mir ein Bedürfnis. Kombiniert habe ich dazu eine Türe die an einen Fund vom Schlossberg in Landsberg angelehnt ist, und ein Frauenmotiv das gleich mehren anderen Funden ähnlich ist.

Schnitzerei 
montiert

mit eingeklebtem Spiegel
Abstriche habe ich bei der Innengestaltung der Türen gemacht.
Wie die Rückseiten der Türen aussehen habe ich nicht in Erfahrung bringen können.
Die Aussparungen für den Spiegel waren notwendig, weil mein Spiegelglas so stark gewölbt ist, das ich es nicht in einer Lage Knochenplättchen unterbringen konnte.
Die natürlichen Riefen im Knochenmaterial sind am erhaltenen Vorderteil des Warberger Klappspiegels gut erkennbar. So habe ich mir die Freiheit genommen, die Riefen auf den Innenseiten der Türe sichtbar zu lassen, denn beim weg schleifen, wäre zu viel Materialstärke verloren gegangen.

So sieht er nun aus, mein zweiter Versuch.Was fehlt sind die Vernietungen. Daran traue ich mich auch diesmal noch nicht. Ich hoffe es irgendwann einmal, zu erlernen.
Alles ist ein wenig schief, das war an den Originalen wohl schöner und besser, schließlich waren damals Könner am Werk und keine Hobbyisten wie mich die es einfach nicht besser hin bekommt.
Wie immer ist diese Arbeit ohne Einsatz von elektrischen Geräten entstanden. Per Handsäge, Handbohrer, Schnitzmesser und Feilen. Was mir noch fehlt, ist der Kittrand rund um den Spiegel, hier bin ich noch auf der Suche nach dem geeigneten Material. Gewöhnlicher Kitt fällt aus, da das im Kitt enthaltene Leinöl in das Knochenamterial einziehen würde und Flecken verursacht.
Als Angeln in den Türchen, habe ich Stücke von Kupferdraht eingesetzt. Am Warberger Spiegel kann man noch gut den Grünspahn an den betreffenden Stellen (Angelöffnungen aber auch Nieten) sehen.


Ein weiteres Spiegelchen ist in Vorbereitung.

Wie das so ist, so ein Projekt schafft man nicht ohne Hilfe. 
In den 2 Jahren seit dem letzten Versuch, habe ich viel Hilfe und Unterstützung durch Gespräche mit Fachkräften aus Museen und Handwerk und den Hinweisen auf neue Quellen und Vergleichsfunde aber auch handwerkliche Tipps bekommen.

So geht mein besonderer Dank an:
das Landesmuseum Braunschweig, Abteilung für Ur und Frühgeschichte


Quellen:
Bonner Jahrbücher Band 1990 ISSN 0938-9334
und Band 1995  ISSN 0938-9334
jeweils die Artikel von Ingeborg Krueger

dem Ausstellungkatalog Aufruhr 1225 S.452

 Interdisziplinäre Studien zur europäischen Burgenforschung von Hans Wilhelm Heine

Birka II Teil 1 (Systematische Analysen der Gräberfunde Ed. Greta Arwidsson Kapitel 24: Glas )

Ornamenta Ecclesiae Band 1 (Allgemeines zum Handwerk im hohen Mittelalter und der Herstellung von Serien)

Spiegelglas im Hochmittelalter

Habe ich beim letzten Spiegel noch vermutet, das sich ein poliertes Blech im Inneren des Spiegels befand, gehe ich nun davon aus, das es ein gewölbter Glasspiegel gewesen sein muss.
Dazu gibt es in den Bonner Jahrbüchern 1990 und 1995 jeweils eine schöne Publikation von Ingeborg Krueger, die viel zu diesem Thema zusammen getragen hat.
Sie schreibt, das man schon im Frühmittelalter z.B. im Fundkomplex Birka, aber auch in Haitabu,  Spiegelfragmente aus Glas gefunden hat. Auch erwähnt sie Glasspiegel schon bei den Römern.
Es wurden große Glaskugeln geblasen und diese mit Blei ausgeschwenkt.
Diese Kugeln hat man später gebrochen und die Stücke mit einer Art Kitt in Fassungen eingesetzt.
Der Kitt* war im Hochmittelalter vermutlich bunt angemalt.
( *Kitt ist scheinbar ein Sammelbegriff für technische Massen unbestimmter Zusammensetzung. Der Glaserkitt wie wir ihn heute kennen, ist erst sehr viel später bekannt.)
Einen schönen Bildbeleg gibt es auf diesem Bild, das vermutlich jeder kennt, Anolfinis Hochzeit:
bei wikipedia : Arnolfini -Hochzeit
Hier hängt im Hintergrund ein gewölbter Spiegel an der Wand. Solches Spiegelglas muss man sich in Klein für die Tasche denken.
Ein kleines Spiegelstück von der Größe eines Kronkorkens reicht aus, um sein ganzes Gesicht und auch den Sitz der Frisur oder des Kopfputzes zu überprüfen, wenn es kuppelförmig (schwach konvex gewölbt) ist. Man kennt es vom Blick auf Christbaumkugeln.


Die Beschichtung des Spiegelglas war sicherlich eine hohe Kunst mit großem Fachwissen.
So wie das Blasen von sehr großen Kugeln bis zu nachgewiesenen 28cm Durchmesser, hohe Kunstfertigkeit und Kraft erfordert.
Erhalten sind heute wenige kleine Fragmente, die Beschichtung ist meist korrodiert und kaum als solche erkennbar. Die genaue Zusammensetzung scheint nicht bekannt zu sein.
Meist findet man Glasfragmente deren Verspiegelung zerstört ist, und sich schwer von Erde, Moder oder was auch immer, optisch unterscheidet. In einigen Glücksfunden findet man Krümelchen, die man einer Verspiegelung zu sprechen kann. Schöne Funde gibt es z.B. aus dem Frühmittelalter in Birka, wo tatsächlich die Beschichtung noch am Glas haftet.
Hier habe ich ein Bild und auch Versuche solche Spiegel herzustellen, gefunden:  Blog einer Amerikanischen Künstlerin

Von Fachkräften wurde mir erklärt, das sich gewölbtes Glas nicht einfach so zu schneiden lässt, wie es bei Glasplatten der Fall ist. Gewölbtes Glas ist tückisch, selbst mit heutigen Mitteln, wie es z.B. den Augenoptikern zur Verfügung steht.
So besteht die allergrößte Schwierigkeit an meinem Spiegelprojekt, im Beschaffen des Spiegelglases.
Von der Stange ist so etwas nicht zu bekommen. 
Alle Modelle dieser Machart deuten auf eine ovale Spiegelform hin. Das Glas wurde in Form gebrochen. Eine perfekte Form und saubere abgerundete Kanten, wie wir uns das heute vorstellen, gab es vermutlich nicht. Deshalb auch der bemalte Rand, der die Kanten optisch egalisiert hat.
Etwas später in der Zeit, sind die Spiegel oft rund, dazu sind die Fassungen meist aus Elfenbein, oder Holz statt Knochen.

Bei meinem neuen Versuch muss ich einen Kompromiss ein gehen:
  • will ich Glas verarbeiten, muss ich ein kreisrundes Glas nehmen.
  • will ich die Form beibehalten, könnte ich auf Kunststoff ausweichen
so ist dann meine Wahl auf Glas mit kreisrunder Form gefallen

Vielleicht findet sich irgendwann später einmal ein neuer Kontakt  und damit die Möglichkeit ein Glas zu finden, das an die historischen Vorlagen besser heran kommt.
Jetzt ist mir wichtig die Form der Taschenspiegel zu zeigen und wie verblüffend komfortabler so ein kleiner historischer Spiegel gegenüber den heutigen Modellen ist.
So ein Taschenspiegel war eine Kostbarkeit, sicherlich auch Statussymbol für die Dame.

Dieses Gläschen hat einen Durchmesser von knapp 3cm.
Man sieht, man kann den Oberkörper samt Fotoapparat sehen, den Spiegel halte ich etwa einen halben Meter von Kopf entfernt.
Die historischen Vorlagen werden nicht so stark gekrümmt gewesen sein. Die Kugel die zu der Größe meines Gläschens gehört haben könnte, hat etwa den Durchmesser eines Tennisballs. Je kleiner die Kugel, um so weiter ist die Wiedergabe des Spiegelbildes samt Umgebung.
Damals war das Bild des Kopfes also größer und der Bildausschnitt kleiner.
Hier zum Vergleich eine Replik mit Flachglas, dieser Spiegel hat einen Durchmesser von 3,5cm :





In den Schriftquellen tauchen immer wieder Spiegelgläser als Handelsware durch die Jahrhunderte auf. (siehe oben genannte Quellen)
Scheinbar wurden parallel auch noch polierte Metalle genutzt. So geht man davon aus, das in den Elfenbeinspiegeln aus der Pariser Produktion des 14ten Jahrhunderts, polierte Bleche gesteckt haben.
Ob das so tatsächlich so war, weiß ich nicht, dazu fehlt mir Hintergrundwissen.
Vorstellen kann ich mir das nur schwer, denn ein Glasspiegel gibt es viel schöneres Spiegelbild her, und erblindet auch weniger schnell.

Hier noch mal mein erster Versuch mit einem poliertem Bronzeblech:



der selbe Spiegel mittlerweile rot eingefärbt