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Freitag, 29. November 2013

Ein neuer Webstuhl !

Ein neuer Webstuhl ist bei mir eingezogen.
Einen Meter breit kann ich nun weben ! Und er fasst größere Ketten.
Er schien nach mir gerufen zu haben, denn obwohl eigentlich gar nicht auf der Suche danach, habe ich ihn gefunden.
Mit dem Verkäufer war ich schnell einig, und so wurde Samstag vor einer Woche ein Ausflug nach Holland gemacht.
Es ging in ein nettes Holländisches Städtchen. Schon am Ortseingang grasten Schafe, passend zu einem Viertel mit lauter Namen, die mit der Textilverarbeitung zu tun haben.
Vorbei an der Gewantmaker Straat  und der Spinster Straat in die Wever Straat.
Ein Koppje Koffie und ein nettes Schwätzchen später, war der Webstuhl schnell eingeladen und verpackt.
Wenn man schon mal da ist, sollte man unbedingt ein wenig bummeln gehen, und ein paar Fritten genießen. Sie waren Himmlisch. Vielleicht auch weil die Freude über den neuen  Webstuhl so groß war.
 
Zuhause war Ellen - so heißt der Webstuhl jetzt - schnell ausgeladen, denn die ganze Familie half mit. Da lag dann ein großes Puzzle aus Holz und Schnüren im Wohnzimmer.

20 Jahre hat Ellen geruht, aber aufgebaut und im beheizten trockenem Wohnraum.
Meine Sorge ihn nicht zusammen zu bekommen, hat sich ganz schnell gelegt, denn innerhalb von 2 oder 3 Stunden, hatte ich ihn entspannt und ganz alleine zusammen gebaut.
Hilfsangebote hatte ich genügend, aber manche Dinge muss man alleine machen.

Nichts war verzogen, alles ist komplett, das Schätzchen war gut gepflegt.
Man sieht es war noch eine Kette aufgezogen, die habe ich allerdings entsorgt. Gewebte Küchentücher finde ich zwar sehr schön, aber mir fehlt die Geduld sie her zu stellen.


Nun ist Ellen schön geölt, das Öl hatte Zeit ein zu ziehen, die Texolvschnüre waren in der Waschmaschine.
Hmm - an der Feinjustierung der Verschnürung muss ich noch arbeiten. Eine schnelle Kette ist schon aufgezogen, aber vor lauter Aufregung und Freude ist so ziemlich alles falsch, was falsch sein kann.
Das lasse ich nun ein paar Tage ruhen und erledige Anderes. Langeweile kommt so schnell nicht auf.

Aber schön ist er der Neue ! Pures Weberglück.


Das Webstühle Herdentiere sind, ist eine Mär.
Tristan mein alter Webstuhl freut sich auf ein neues Zuhause, hier in der Region, denn eine neue Besitzerin hat sich schon gefunden.

Mittwoch, 20. November 2013

Von der Birke zum Tuch

Ein lieber Freund musste seine Birke beschneiden und hat sich die Mühe gemacht, die Blätter für mich ab zu rupfen und zu trocknen. Das klingt harmlos ist aber viel Mühe.

Dies ist der Baum, der aus dem Landstrich Finsterwalde stammt.
 
jede Menge Verschnitt


hier lässt sich erahnen, wie viel Arbeit das rupfen war.
Im getrockneten Zustand sind die Blätter ein großer Karton voll gewesen. Davon habe ich etwa die Hälfte, 3kg gebraucht um damit 3kg Wolle zu färben.
Dazu werden die Blätter über Nacht eingeweicht, eine Stunde lang abgekocht und dann abgeseiht.
Die vorbeizte Wolle wird dann in Schritten vorgewärmt, in die Flotte gegeben und eine Stunde lang geköchelt.
Auf weißer Wolle ergibt der Birkensud ein schöne klares Gelb.
Mit Eisen 2 wird daraus ein tolles grün:
 
Für das Färben der 3kg Garn habe ich etwa eine Woche lang gearbeitet, also immer wieder den Topf begutachtet, die Temperatur geregelt, vorsichtig umgerührt. Die 3kg Garn sind in Etappen gefärbt, weil der Topf solch große Mengen nicht fasst.
Etwa 240 Liter Wasser habe ich benötigt um die Garne vor zu beizen, vor zu wärmen, den Sud und das ausspülen, das das meiste Wasser benötigt.

So sieht das Garn nach den waschen trocknen und zu Knäuelen wickeln aus:
So die fertig geschorene Kette, bevor sie auf den Webstuhl kommt.

 
 
Grün in grün, wäre natürlich langweilig, auch käme der schöne Diamantköper nicht zur Wirkung,
 deshalb habe ich die grüne Kette mit anderen Farben kombiniert und so sind 4 unterschiedliche Tücher endstanden:
Das Rote ganz links ist bestellt und wird die Heimat der Birke sicherlich wieder sehen. So schließt sich der Kreis dann wieder. Die Farben sind in der Novembersonne schwer ein zu fangen, sie leuchten in Echt viel mehr. Nun werden sie in die Waschmaschine wandern, und nach dem trocknen in den Shop.
 
Vielen Dank lieber K. für das mühsame Sammeln und Trocknen der Blätter !


Freitag, 8. November 2013

Nähgarn

Immer wieder taucht die Frage auf, womit nähe ich meine Kleidung ?
(gemeint sind die Historisierten)
Deshalb einen Extra Post zu diesem Thema.

Habe ich zu dem was ich nähen will einen Fund ? Dann lohnt es unbedingt auf diesen zu schauen.
Manchmal ist Nahtmaterial vorhanden, manchmal sogar noch ganze Nahtstücke.
Ist dem so, "Hurra" dann unbedingt so nacharbeiten, denn die Generationen die noch komplett von Hand nähten, waren in der Regel nicht blöd, und waren sehr erfahren darin, haltbare Kleidung her zu stellen.

Habe ich keinen Fund, nähe ich Leinen mit Leinengarn und Wolle mit Wollgarn.

Da ich bisher nirgends Wollnähgarn in handlichen Größen gesehen habe, habe ich eine Kone extra feines Wollgarn in Stränge gewickelt und werde es nach und nach färben, so das ich bald ein Sortiment feines Wollnähgarn im Angebot habe.
Das Garn hat in etwa die Stärke von Sternchenzwirn, ist sehr glatt und reißfest, so das es sich bequem vernähen lässt.




 
Leider fehlt mir die Möglichkeit die Länge/Menge zu bestimmen. Aber jedes dieser Röllchen hat so viel Garn, das es reicht, ein hochmittelalterliches Kleid mit zwei Geren daraus zu nähen.
Das heraus dröseln von Fäden aus dem Gewebe um damit zu nähen, finde ich persönlich schwierig.
Selbst bei gekauftem Stoff ist es mir schade um das Gewebe, auch sind mir die Fäden oft nicht reißfest genug.

Bei meinen handgewebten Stoffen lege ich wann immer es möglich ist, einen Strang Kettabfall* dazu, so das man genügend Garn hat, um damit das Kleidungsstück zu vernähen.

*Kettabfall, das klingt nach Müll, ist aber nichts anderes, als das Stück vorn und hinten an der Kette, womit diese am Webstuhl befestigt ist. Das Garn ist nicht strapaziert und auch nicht angegriffen. Hin und wieder mache ich mit dem Überschuss eine Stickerin glücklich.

Montag, 21. Oktober 2013

Naturbelassene Garne

Frisch vom Webstuhl ein grober Stoff, vermutlich frühe Eisenzeit, genaue Angaben habe ich diesmal nicht.
Der Stoff liegt bei 6 Fäden je cm und gewünscht waren Streifen die je 5 Fäden breit sind.
Ausgewählt wurde dazu urige Wolle vom Finkhof, einer deutschen Schäferei Genossenschaft deren Produkte den kbT entsprechen. http://finkhof.de/
Dort wird auf die Ausrüstung der Wolle - einem Überzug aus Kunstharz der das Pilling der Wolle verhindert - verzichtet.
Ich kaufe gerne dort ein, die Produkte überzeugen mich in der Qualität, aber besonders auch in der  Haltung der Tiere und der Herstellung und Verarbeitung derer Erzeugnisse.

Entstanden ist ein uriger Stoff, die Bilder sprechen für sich:























Ich bin sehr auf das Endergebnis, also das fertige Kleidungsstück gespannt !






An der gleichen Kette entstanden sind zwei Schultertücher, beide aus naturbelassenem ungefärbten Garnen.









Das gestreifte Tuch ist besonders dick. Hier wurde der Schuss aus dickeren Garnen gewählt.
Mir gefällt der Mix aus Grau und Braun Tönen gut.

Weil noch etwas Kette übrig war, gibt es noch einem Mützencoupon.
Mützencoupon bedeutet das Stück ist groß genug um daraus eine schöne Mütze herzustellen.
Man kann natürlich auch anderes daraus zaubern.




Die Gewebe passen gut in die Jahreszeit, versprechen sie doch gut zu wärmen. Irgendwie scheinen sie mit den farbigen Herbstblättern draußen Freundschaft zu schließen.


Dienstag, 1. Oktober 2013

Spinnrichtung im Test

Das Spinnrichtungsgewebe lässt mich einfach nicht los.
Zum Glück habe ich genug davon, so das ich ein Experiment wagen kann.
Ich habe Strümpfe genäht, die aus Handgewobenem Stoff für mich, die aus Gekauftem für meine Tochter.
Die Grünen Strümpfe sind nicht wirklich schön geworden, aus der Not heraus sind sie mit blauem Wollgarn genäht, das sieht überhaupt nicht gut aus, aber es ging darum das die Materialien gleichwertig sind. Der Stoff ist ein Wollstoff der noch rum lag. Finden die genähten Strümpfe Gnade, werden sie in diesem Winter ausgetauscht.
Die Braunen Strümpfe sind aus dem Garn des Stoffes genäht.
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/09/spinnrichtungsgewebeein-erneuter-anlauf.html

 
Da die grünen Strümpfe vermutlich mehr rennen werden, als die Braunen, sind die Braunen schon mal zwei Tage lang eingelaufen.

Ich war sehr überrascht, wie angenehm sich die Strümpfe tragen.
Sie sind diagonal zur Webkante zugeschnitten, damit sie sich schön dehnen. Das schmerzt immer ein wenig, weil der Stoffverbrauch höher und der Abfall größer ist, aber es lohnt.
Zuerst habe ich ein Modell aus altem Betttuch gemacht. Dabei habe ich mir helfen lassen. Es wurde am Bein festgesteckt, aufgemalt und dann ausgeschnitten. Wieder zusammen gesteckt, anprobiert, nachgebessert und dann erst wurde der gute Stoff zugeschnitten.
Sie sitzen wunderbar.

Der Vergleich industrieller und handgewobener Stoff wird immer hinken.
Aber ich wüsste zu gerne, wo ist der Vorteil des S/Z gewobenen Stoffes ?
Als ich die Strümpfe in Oerlinghausen morgens zum ersten Mal anzog, dachte ich: "Schade um den schönen Stoff, Sonntag Abend werden die dicken Zehen durch sein !"
Dies war jedoch nicht der Fall. An den strapazierten Fußteilen hat sich der Stoff verdichtet, ohne das er merklich eingelaufen ist. Der Tragekomfort hat dadurch nicht nachgelassen.
Obwohl der Stoff nicht wirklich dick ist, sind die Strümpfe genau so warm wie meine dicken nadelgebunden  Socken. Vielleicht weil die Schuhe nun nicht mehr so eng sitzen ? Schwer zu sagen.
Ich bleibe dran.

Montag, 9. September 2013

Beinlinge fertig - die neue 1150ger Klamotte hat Ausgang

 
Auf der Veranstaltung am Wochenende sind die neuen Beinlinge fertig geworden. Nun haben wir eine einfache Ausstattung, bei der die Oberbekleidung (mit Ausnahme des Schleiers), aus von mir handgewobenen Stoffen genäht ist.
Genäht wurde ausschließlich von Hand.

Mit den Beinlinge bin ich sehr zufrieden. Sie sitzen diesmal besonders gut.

 
Beinlinge werden diagonal zum Fadenlauf zugeschnitten. Meine Stoffbahn ist ein wenig zu schmal, der Zuschnitt sollte mehr in der Diagonale liegen.
Rechts liegt ein alter Beinling, so soll das fertige Hosenbein aussehen.

Beim ersten Mal, wurde ein altes Bettlaken mit Nadeln am nackten Bein angesteckt. Alles Überflüssige an Stoff abgeschnitten, auf der Nähmaschine vernäht, der Sitz kontrolliert, korrigiert, so lange bis das Ergebnis richtig gut sitzt. Dann auf der Naht aufgeschnitten und auf Folie übertragen.
Das ist nun das Schnittmuster. Das Schnittmuster wird mit Folienstift beschriftet, und kann so in einer Dokumentenhülle in einem Ordner verwahrt werden.
Als Folie verwende ich Renovierplane, die ist günstig und man kann gut durchschauen.
Das ist besonders praktisch wenn man moderne Schnittmuster von Papierbögen übertragen will.
Vom großen Stück Plane wird im gefalteten Zustand ein Streifen abgeschnitten der so breit, wie ein Papierschnitt ist.

Aber zurück zum Beinling.
Der Stoff wurde aus einfachem unverzwirntem Garn gewoben, das Schussgarn ist handgesponnen. Um einen Nähfaden zu erhalten, habe ich zwei Reströllchen des Schussgarns mit einander auf dem Spinnrad verzwirnt. So habe ich einen soliden Faden der im Gewebe nicht auffällt.
Die Beinlinge werden deshalb diagonal zugeschnitten, weil der Stoff dann dehnbarer ist. Das kann man leicht testen, indem man an einem Stoffstück waagerecht und auch senkrecht zieht, der Stoff wird nicht nachgeben. Zieht man aber diagonal an den Ecken, dehnt sich der Stoff.
Obwohl hier nur wenig in Diagonale zugeschnitten werden konnte, sind die Beinlinge dehnbar und bequem.

 
Da ist sie die neue 1150ger Klamotte. Auf Abbildungen dieser Zeit finden sich selten Kopfbedeckungen bei Männern. Ganz im Gegensatz zu 1250 in der man(n) immer etwas auf dem Kopf hat.
Den Schleier finde ich SEHR Gewöhnungs bedürftig. Das hat man so getragen ? Es gab doch sicherlich schon immer hippelige bewegungslustige Frauen. Wie kann man so arbeiten ?
Zum Glück ist das Schleiertuch erst mal improvisiert. Es ist ein sehr feiner Wollstoff, sicherlich gab es auch Schleier aus Leinen. Hier muss also noch gearbeitet werden.


 
 
Weil dies mein 111. Post ist, gibt es noch eine kleine zufällige Narrenkappe.
Es war am Wochenende ziemlich feucht, um nicht zu sagen nass...wir hatten mehr Glück als Andere, aber trocknen muss nun doch alles, da wird es eng auf der Leine, so das man sich schon mal eine Aushilfe suchen muss:
 


Sonntag, 1. September 2013

Spinnrichtungsgewebe,ein erneuter Anlauf

Diesmal, sollen es Beinlinge für meinen Mann werden.

Für Leute die nicht im Tema sind:

Beinlinge sind das hochmittelalterliche Gegenstück zur Hose. Man(n) trug damals zwei einzelne Beinröhren die Figur anliegend geschnitten waren, und am Bruchengürtel ( Bruche ist die mittelalterliche Herrenunterhose mit Gürtel) angebunden wurden.

Spinnrichtung bedeutet, das Garn ist mal rechts herum, mal links herum gesponnen und dann verwoben. Sehr viele Gewebe die sich aus dem Mittelalter, aber auch aus früheren Zeiten erhalten haben, sind auf diese Art hergestellt. Manche sogar mit aufwendigen Mustern.
Ohne Grund wird man dies nicht getan haben, deshalb versuche ich solch einen Stoff nach zu weben.
Da mein Mann das diesmal tragen soll und das Gewebe somit in meiner Nähe bleibt, kann ich das im Langzeittest erleben.


vor der Wäsche, unter Spannung auf dem Webstuhl geknipst
entspannt und nach der Wäsche



Das Kettgarn ist von der Stange*. Es ist ein einfacher Faden in Z Richtung in Naturgrauer Optik. Das Garn liegt bei 10F/cm relativ locker.
Das Schussgarn ist handgesponnen einfach in S Richtung aus einer Kammzugwolle eines Spinnfasershops. Sorte französisches Landschaf, in einem schönen Braunton mit leicht grauer Note.
Das Garn hat Aennlin auf dem Spinnrad gesponnen.
http://www.aennlin-cistarius.de/index.php?cat=Handwerk&page=N%C3%BCtzliches%20aus%20Wolle

*Wer schon einmal Garn in dieser Stärke gesponnen hat, weiß wie langwierig und mühselig diese Arbeit ist. Industrielles Garn hat den großen Vorteil das es gleichmässiger und in der Stärke auch reißfester ist. Zumindest bei dem was wir Hobbyisten herstellen. Zu frühen Zeiten hat das ganz anders ausgesehen, wie und die historischen Fragmente erzählen.


5,70m liegen hier.
Dafür habe ich ca. 300g - 340g handgesponnenes Schussgarn verwoben, (ein oder zwei Banderolen habe ich schon weggeworfen), das ich aber nicht in NM schätzen kann. Es ist schon ziemlich dünn, ich schätze zwischen 12 und 15 Fäden würde ich es als dichte Kette aufziehen.

Die Bindung ist ein 2/1er Köper, man erkennt gut den Farbunterschied zwischen Kett und Schuss lastiger Seite.

Montag, 19. August 2013

Herren Tunika fürs Jahr 1150

Der Stoff der hier, schon vorgestellt wurde:
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/07/wie-viel-farbe-brauchts-um-bunt-zu-sein.html
ist nun zum fertigen Kleidungsstück geworden.

Es ist eine Tunika für meinen Mann geworden.




Da hängt sie und sieht ganz unschuldig aus.
Dabei habe ich mir diesmal wirklich einen Wolf genäht.
Mein Eindruck war, das der Näh Aufwand schlimmer als bei einem Kleid war, und als ich sie eben so am Schrank aufhänge, stelle ich fest - sie geht mir bis eine handbreit über die Fußknöchel.

Die Mode war 1150 noch eine ganz Andere als 1250.
Die Tuniken waren länger, die Ärmel hatten gerne Überlange.
Seitliche Geren sorgen für Weite, ohne das es an der Brust schlabbert.
Auf Bildbelegen sind farblich abgesetze Streifen an Armabschluss und rund um den Hals zu sehen, aber auch ganz schlichte Modelle.
Da der Stoff ja bewusst schlicht bis "billig" gehalten ist, haben wir uns für das Modell ganz ohne Schnick-Schnack entschieden. Passend zu meinem Kleid, das ja auch preiswert aber solide, wirken soll.
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/04/mein-neues-kleid.html

Sämtliche Nähte habe ich mit dem Saumstich genäht, also erst einmal jedes Stück rundherum gesäumt, und danach die Teile per Überwendichstich zusammen genäht.
Als Nahtmaterial habe ich je 2 Fäden des Schussgarns gezwirnt, um einen zweifachen soliden Nähfaden zu haben.

Detail Armnaht


Detail Seitennaht innen

Beim unteren Bild kann man schön den Farbunterschied von Vor und Rückseite sehen.

Dazu passende Beinlinge sind in Arbeit. Etwa die Hälfte des Stoffes ist schon fertig gewoben.
Das Wetter lockt einfach ständig nach draußen, wo es ja auch viel zu tun gibt.


Montag, 8. Juli 2013

Wie viel Farbe brauchts um bunt zu sein ?

Die Frage wie farbig Textilien in den einzelnen Epochen des Mittelalters waren, ist viel diskutiert.
Immer wieder heißt es, es war ziemlich bunt, und die Bildquellen scheinen der Theorie recht zu geben. Sind selbst die Bauern auf etlichen Abbildungen farbenfroh und ordentlich gekleidet.
Aber spiegeln diese Bilder die Wirklichkeit ?
z.B. hier:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Les_Tr%C3%A8s_Riches_Heures_du_duc_de_Berry_f%C3%A9vrier.jpg
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Les_Tr%C3%A8s_Riches_Heures_du_duc_de_Berry_juin.jpg

Quelle : http://de.wikipedia.org/wiki/Tr%C3%A8s_Riches_Heures

Oder wollte der Auftraggeber des Buches einfach ein hübsches Buch haben ?
Der Erschaffer des Buches, seine wunderbaren Farben und sein Können demonstrieren ?
Leider sind zu wenige Textilien oder Textilfragmente  aus dem Hochmittelalter erhalten, um wirklich genaue Vorstellungen haben zu können.

Um Stoffe her zu stellen, die von weitem farbig aussehen, aber nur zur Hälfte farbig sind, webe ich weitere Stoffe, die in die Rubrik "mehr Schein als sein" passen würden. Oder wie man noch vor einigen Jahren gesagt hätte : eine solide Qualität, die dennoch etwas her macht.
Einen Stoff für den schmaleren Geldbeutel eines Stadtmenschen, eine mittelprächtige Qualität für die breite Masse.
Zeitlich soll er ins Hochmittelalter um ca. 1150 passen.

Als Kettmaterial dient ein industriell hergestelltes Garn, in naturgrauer Optik. Es hat die Optik eines Wollgarns das von grauen Schafen stammt.
Für das erste Kleidunggstück ist der Schuss ein pflanzengefärbtes Garn in einem mittleren schönen Grünton.
Die Bindung ist ein 2/1er Köper, der Stoff hat also eine Kettlastige (graue) und eine Schusslastige (grüne) Seite. Das zu damaligen Zeiten als weniger hochwertig befundene graue Garn kommt nach innen, das aufwendigere grüne Garn auf die Schauseite.
So muss nur die Hälfte des benötigten Garn eingefärbt werden, während die Hälfte bei der Abfall entsteht, ungefärbt bleibt. Das spart Arbeit, sowie die damals noch viel kostbareren Zutaten, die die Färberei benötigt.
Dennoch sieht das fertige Kleidungsstück später grün aus.

Die Tuch Bahn ist zur Zeit 75cm breit, nach dem waschen und entspannen wird sie schmaler werden.
Die Kette liegt bei 10Fäden/cm Dichte.

Oben im Bild sie Schusslastige Seite, unten die Kettlastige Rückseite des Stoffs.

Hier das Gewebe und die Garnfarben im Detail, der Fingerhut dient dem Größenvergleich.


Freitag, 12. April 2013

Mein neues Kleid

Nachdem in der letzten Zeit, Vieles für Andere entstanden ist, mache ich zwischendurch auch etwas für mich. Das weben des Stoffes, hatte ich dazu, schon zwischen andere Projekte geschoben und hier schon mal gezeigt:
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/03/schlichter-stoff-furs-hochmittelalter.html

Habe ich da geschrieben, die Schnitte der Kleidung waren noch recht simpel ???
Au - weia. Das würde ich gerne zurück nehmen. Ich vergaß die Armkugel.

Aber von vorn.
Da hier auch viele Leute lesen, die mit Living History nichts am Hut haben, fange ich von vorn an.
Wie kommt man, zu solch einem Kleid, und woher weiß man wie so etwas aussieht ?
Wie kommt man zu "seiner" Epoche ?

Vor dem Wunsch dieses Kleid haben zu wollen, stehen zwei Knochenarbeiten, welche vermutlich aus einer Werkstatt stammen, oder zumindest jedoch den selben Stil und die gleiche Epoche haben, den Warberger Klappspiegel und das Tristan/Isolde Kästchen.
Beide sollen um 1150 herum, in Köln in der großen Beinwerkstatt entstanden sein.
Wie genau diese Werkstatt, ausgesehen haben soll, weiß man laut meiner Recherche, nicht so genau. Denkbar ist, das viele Menschen an unterschiedlichen Orten, einzelne Elemente hergestellt haben, die dann nach Kundenwunsch an einem Ort, an dem alle Elemente gesammelt wurden, zu den großen Reliquiengefäßen (die heute noch erhalten sind) montiert wurden.
In wie weit, daran Frauen arbeiteten ? Schwer zu sagen.
So möchte ich, also keine bestimmte Person darstellen, sondern strebe die Darstellung einer Handwerkersgattin an, damit die Kleidung in den Rahmen passt.

Auf den in Frage kommenden Beinarbeiten, tauchen viele Figuren auf, die aber entweder Heilige darstellen, oder höhergestelle Persönlichkeiten.
Also muss anders wo gesucht werden.
Bevor man mit dem Schneidern loslegen kann, muss man viele, viele Bilder sichten, dank dem Internet geht das oft online, um das ein oder andere Buch, kommt man allerdings nicht herum.
Viel angucken, viel überlegen, toll finden, wieder verwerfen, nach Details wie Halsausschnitt, Ärmelform, Gürtel, Schuhe, Schleier suchen. Zischendurch mal echt verzweifelt sein, und überlegen, ob man nicht  lieber Topflappen häkeln möchte.

Ist ein Kleid gefunden, ist man längst noch nicht am Ziel.
Wie mag der Schnitt gewesen sein ?
Die Schnitte von mittelalterlichen Kleider, unterscheidet sich erheblich, von denen heutiger Kleidung.
Im Grunde sind es, Rechtecke und Dreiecke, aber die Details haben doch Tücken.
Mein Wunschkleid, hat eng anliegende lange Arme und die besagte Armkugel. Rumpf wie Ärmel sind überlang. Die Schulterpartie muss schon abgeschrägt gewesen sein.
Ein passender Fund ist mir nicht bekannt.
Nun sucht man Vergleichsfunde, was war vorher, was war später, was gab es Anderswo ?
An dieser Stelle, möchte ich mich, bei Beate Stein bedanken, für ihre Recherche und die unermüdliche Hilfe aus der Ferne. Allein hätte ich das nicht hin bekommen !

Herausgesucht, habe ich mir ein Kleid aus dem Hortus Deliciarum. Einer bis heute erhaltenen Schrift.
Da es klein und schwer zu erkennen ist, habe ich den entsprechenden Ausschnitt nachgezeichnet.(siehe weiter unten)

Beim durch sehen, der vielen Bildbelege fällt auf, das an keinem Kleid ein Gürtel zu erkennen ist, die Kleider sind über einem Gürtel (?) allesamt stark geschoppt, was an der Überlänge liegt. Auf einigen Bildern, sieht man den Stoff, wie am Boden drapiert.
Bevor der gute handgewobene Stoff, zugeschnitten wird, habe ich ein Probekleid aus billigem Stoff per Maschine genäht... es für Unbrauchbar erklärt, und mit einem altem Bettlaken weiter gemacht.
Nach gefühlten 20 Ärmelmodellen und einer Portion Verzweiflung, gutem Zuspruch von Forenfreunden, habe ich dann einen Schnitt erstellt, mit dem ich dann halbwegs zufrieden war.
Dieses Stoffmodell, habe ich wieder aufgetrennt, und auf Packpapier übertragen, dieses wiederum auf den guten Stoff, danach dann beherzt zugeschnitten.

Obwohl ich nur 1,58m groß bin, entschloss ich mich, das Kleid mit einer Schulterhöhe von 1,70m zu zuschneiden.
Die langen Nähte der seitlichen Keile haben es in sich und lassen sich nur nach der Beppo Straßenkehrer Methode (aus Michael Endes Momo) bewältigen : nie gucken wie viel muss ich noch, immer gucken, was habe ich geschafft, und Stich für Stich sorgfältig arbeiten.
Genäht wird mit einer stumpfen Sticknadel, damit die Nadel keinen Faden, im Gewebe spalten kann. Das schont den Stoff, und erhöht später die Lebensdauer des Kleidungstücks. Der Nähfaden, ist aus gezwirnter blauer Wolle. Das hat den Vorteil, das er im Gewebe kaum zu sehen ist.


Halbfertig,die Geren sind erst halb eingenäht, eine Gere fehlt noch ganz,die langen Ärmel sehen merkwürdig aus, ob sich das beim tragen gibt ?








Die Vorlage


Rückansicht
das Kleid von der Seite

Die erste Anprobe: das Kleid fühlt sich merkwürdig unbequem an. So stelle ich mir, das tragen von Baggy Jeans vor. Die Stoffmenge, verbunden mit den engen Armen ist so ganz Anders, als alles, was ich bisher gewohnt war. Es ist ein "seht her, ich muss nicht viel tun Kleid".
Habe ich etwas falsch gemacht, oder fühlt sich so der Zeitgeist auf der Haut an ?
Dazu werde ich es länger, als ein paar Minuten fürs Foto tragen müssen.


mit improvisiertem Schleiertuch,
wie es Bildern dieser Zeit, ähnlich ist


Donnerstag, 4. April 2013

Gewobener Prunk 3 - vom Stoff zum Kleidungsstück

Nachdem der Stoff gewaschen und getrocknet ist, geht es ans zuschneiden.
Es soll eine Tunika werden, die an die Thorsberg Tunika angelehnt ist. Diese ist sehr gut erhalten und auf das 3te n. Chr. Jahrhundert datiert. Sie ist in Schloss Gottorf,  in Schleswig Holstein zu bewundern, ein wunderbares Museum, dessen Besuch unbedingt lohnt.
Dieses Kleidungsstück ist so simpel, wie genial, was den Schnitt angeht, es fällt keinerlei Verschnitt an. Um die Tunika nach zu arbeiten, wurde mir eine gutsitzende Tunika, vom Auftraggeber zur Verfügung gestellt.



Der Stoff ist bei der Wäsche noch etwas eingesprungen, von den 8,50m, die im vorigen Post im Bild lagen, wurde ein Stückchen für ein anderes Projekt bei Seite genommen. Für die Tunika brauche ich die Hälfte des Stoffes, 3,30m. Das andere Stück möchte ich mit zur IRM nehmen, um es zu verkaufen.

Als Nähfaden verwende ich Garn, das auch im Stoff verwoben ist, das hat den Vorteil das der Faden nicht auffällt, und die Naht kaum sichtbar ist. Dennoch nähe ich von Hand sehr sorgfältig, so das die Verarbeitung, zum kostbaren Stoff passt.
Zuerst säume ich alle Kanten und zwar genau nach Plan und möglichst genau.
Danach werden die Stücke mit Überwendlichstich zusammen genäht.
Dadurch entstehen schöne, saubere, flache Nähte, mit großem Tragekomfort.




Die Thorsberg Tunika hat im Original eine kleine feine Borte, als Stoßkante am Armabschluss, und da auch diese Tunika, so etwas haben soll, hat Sylvia Fröhlich das Weben der Borte übernommen.
Die Borte ist aus dem gleichen Garn wie auch der Stoff, ein NM 28/2 Wollgarn.
Mehr Infos zum Thema Borten weben finden sich auf der Homepage von S. Fröhlich:
http://www.rabenpfad.de/Brettchenweben/brettchenweben.html

 


Endlich ist genügend Sonnenlicht da, um die Farben, gut mit der Kamera einfangen zu können.
Mein Model ist etwas kleiner, als der Mann der sie tragen soll und auch das Tshirt und die Jeans muss man sich wegdenken, aber es reicht um einen Eindruck vom Kleidungsstück zu haben.

Für Querleser, hier geht es zu den Anfängen des Projektes :
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/03/gewobener-prunk.html
http://zeitensprung.blogspot.de/2013/03/agytisch-purpur-gewobener-prunk-2.html